Clos Kixhaya

Kolumbien, Spanien, London, Chinon. So knapp könnte man die Stationen von Bea und Étienne zusammenfassen. Könnte man, muss man aber nicht, weil ihre Geschichte voller Liebe, Leidenschaft und ein bisschen Glück steckt. Die Weine sind kraftvoll im Ausdruck und leicht auf der Zunge. Cabernet Franc in seiner reinen Form. So wie wir ihn lieben. Augenöffnend. Wir sind total verknallt in Clos Kixhaya und Ihr wahrscheinlich bald auch.

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Clos Kixhaya – Eine halbe Weltreise bis zum Traum vom eigenen Weingut.

Beatritz ist ursprünglich aus Kolumbien und Étienne aus der Nähe von Calais. Getroffen haben sie sich in Spanien als beide dort gelebt haben. Schon nach kurzer Zeit in ihrer Beziehung wurde ihnen klar, dass sie eines Tages sich mit Kind und Kegel in einem ruralen Ambiente niederlassen wollen würden. Denn vor allem Bea wollte unbedingt mit ihren Händen arbeiten. Tief im Boden und an der frischen Luft. Erstmal zogen sie aber nach Paris und dann nach London, wo Étienne sein Wirtschaftsstudium beendete. Von dort aus ging es in die Mitte Englands, nach Birmingham, da Étienne dort eine Stelle gefunden hatte. Das war für die beiden schon ein kleiner Schritt Richtung Ziel: Auf dem Land leben. Mit dem ersten Kind im Arm gab es wenigstens ein Häuschen mit Garten und Nähe zur englischen Countryside.

Doch genau als Bea zum zweiten Mal schwanger wurde, mussten die beiden zu Bea’s Eltern nach Kolumbien zurück, um ihnen zu helfen. Nichtsdestotrotz wollten Bea und Étienne weiterhin an ihren Plänen feilen, irgendwann mit ihren Händen den Boden zu bearbeiten und eigenen Wein zu machen. Egal, wohin es sie verschlagen sollte. Aber sie wollten von Anfang an dabei sein. Von der ersten Blüte zum fertigen Produkt.

Als sie Kolumbien in Richtung Europa verlassen wollten, fiel die Wahl auf London als Zwischenlösung. Dort gaben sie sich ein bisschen Zeit, um zu verstehen, wohin sie der Weinbau bringen würde. Étiennes Familie kommt aus der Nähe von Calais, daher wäre die am nächsten gelegene Weinregion in Frankreich die Champagne. Das war finanziell wie stilistisch allerdings nicht besonders reizvoll.

Frankreich ja – aber nur die Loire

Étiennes Bruder, der in Montpellier wohnt, war natürlich der große Verfechter für einen Umzug in den Süd-Westen Frankreichs. Aber Bea hatte das richtige Bauchgefühl und entschied sich gegen die karge Landschaft des Languedoc-Roussillon. 2016 war die Zeit reif. Zwar hatten sie noch kein Land gefunden, aber da Bea schon immer in die Loire verliebt war, zogen sie genau dort hin.

Étienne arbeitete weiter Vollzeit in seinem Job, während Bea Weinbau studierte und bei Melanie und Aymeric vom Weingut Melaric das Handwerk lernte. Melaric war von Anfang an eine der großen Stützen für die Beiden.

Étienne und Bea hatten aber auch eine ganz genaue Vorstellung von dem Weingut, das sie suchten. Es war ihnen sehr wichtig einen Ort zu finden, bei dem die Weingärten, Keller und Wohnhaus miteinander verbunden seien. Beas und Étiennes Freunde waren sich sicher, dass die Beiden einen Sprung in der Schüssel hatten, so spezifische Vorstellungen hatten sie. Doch nach drei Jahren hatte das Warten ein Ende. 2019 war es so weit. Bei dem englischen Äquivalent von Ebay Kleinanzeigen wurden sie fündig: 4 Hektar alte Reben Cabernet Franc in Chinon! Hallelujah, Jackpot! Die 30-90 Jahre alten Cabernet Franc Reben wachsen auf sandigem Geröll über Kalkstein gleich neben dem Fluss Vienne.

Wie sie selbst sagen, hatten sie unendlich viel Glück. Das Haus war lange unbewohnt und deshalb in einem furchtbaren Zustand, ergo musste es von Grund auf saniert werden. Die Parzellen hingegen waren in einem fantastischen Zustand. Sie wurden an verschiedene Winzer verpachtet und wunderbar gepflegt. Deshalb war es ihnen auch gleich möglich, 2019 ihren ersten Jahrgang zu machen.

Natur pur von Clos Kixhaya

Biologisch, Biodynamisch, Biodivers

Beatritz und Étienne sind auch in ihrem dritten Jahr biologischer Konversion, aber nur biologisch wäre ihnen selbst viel zu wenig. Deshalb arbeiten sie hauptsächlich biodynamisch, aber auch da viel mehr als die Demeter-Vorgaben es einer Winzer*in vorschreiben. Biodiversität ist hier die Devise, unterschiedliches Leben im Weinberg zu fördern und so wenig wie möglich zu stören. 

Im Weinberg pflanzen sie gerne verschiedene Pflanzen, die dann als Tees für die Reben verwendet werden. Brennnesseln und Valerian gegen Stress zum Beispiel. Auch Tiere gibt es in den Weingärten: Vor allem Hühner. Bea liebt Hühner nämlich sehr.

Vergrößern wollen sie sich nicht, das steht fest, da sie alles mithilfe von Freunden und Familie selbst machen. Alles ist sehr minimal gehalten bei Clos Kixhaya. Kleines Gut, kleiner Keller, und seit diesem Jahr auch ein kleiner Gemüsegarten. Man erkennt schnell, dass die Größe der Dinge die Arbeit von Bea und Étienne definiert. Handarbeit auf höchstem Niveau.

2020 –  Der Startschuss zu etwas ganz Besonderem

2020 war der erste Jahrgang der beiden. Insgesamt wurden 6 Cuvées produziert. Viel mehr als ein technisches Herangehen und Planen war es Fingerspitzengefühl der beiden, zu wissen, was klappen wird und was nicht. Wir nehmen es schonmal vorneweg. Es hat geklappt. Und wie!

Die Bodenbeschaffenheit ändert sich auf den 4 Hektar nur wenig. Aber am äußeren Rand teils etwas fruchtbarer. Dort geht es circa einen halben Meter den Hang runter, wo der Boden etwas reichhaltiger an Humus ist. Diese kleine Veränderung hat aber einen großen Einfluss auf die Reben. Sie scheinen mehr Fülle und mehr Säure zu tragen. Deshalb trifft Bea ihre Entscheidungen im Moment, in dem sie im Weingarten steht und nicht vor einem PC Bildschirm mit Analysewerten. Diese Philosophie setzt sich im Keller fort. So wenig Eingriff wie möglich. Alle Bewegungen des Weines werden mithilfe von Schwerkraft getätigt. Fermentiert und gelagert wird in alten kleinen Barriques oder in Stahltanks.

„Unsere Arbeit im Keller ist wie schonend Kochen. Die Fermentation geht ihren Weg so lange sie will, mit der Geschwindigkeit, die sie will.“

Étienne

Auch wenn die Fermentationsprozesse über den Winter pausieren, werden die Weine nicht angefasst. Sie werden verschlossen „schlafen“ gelassen bis sie im Frühjahr „aufwachen“ und zu Ende gären. 

Clos Kixhaya – Unser Fazit

Wir könnten nicht glücklicher sein, Clos Kixhaya mit offenen Armen in unserer Familie willkommen heißen zu können. Ihre Weine zeigen in wirklich vollen Zügen wie unterschiedlich der Ausdruck jedes einzelnen Weines sein kann obwohl man mit derselben Rebe auf fast identischen Böden arbeitet. Denn die kleinste Veränderung zwischen den Reihen kann unglaubliche Unterschiede im Geschmack hervorbringen.

Clotaire Michal

Montpellier – St. Joseph – Saint-Étienne-la-Varenne. Die prägenden Stationen im Winzerleben von Clotaire Michal, einem der weniger bekannten, aber für uns bei Forever Thirsty besten Winzer im Beaujolais. Seine trinkigen, aber dennoch ernsten und tiefgründigen Weine passen fast immer. Sei es auf der WG Party oder zum Tasting mit Freunden.

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Clotaire’s Mentor: Thierry Allemand

Montpellier, hier beginnt Clotaire’s Reise auf dem Weg zu einem der spannendsten Winzer des Beaujolais. In seiner Ausbildung zeigt er sich schon stark interessiert an biologischem und nachhaltigem Weinbau – Eine Einstellung und Überzeugung, die ihn sein gesamtes (Winzer)Leben begleiten wird. Nach Abschluss seines Studiums sucht er nach seiner ersten Anstellung und wird bei keinem geringeren als Thierry Allemand in St. Joseph fündig. Thierry Allemand, einer der absoluten Superstars der nördlichen Rhone. Hier lernt Clotaire, was fast manischer Fokus auf jedes Detail sowohl im Weinberg, als auch im Keller, bedeutet. Mit seinem Mentor werden nur knapp 4 Hektar Syrah auf mehreren hundert Jahren alten Felsterrassen in der Appellation Cornas bewirtschaftet. Daraus entstehen mit bestem Winzerhandwerk jedes Jahr nur zwei Weine, die alleine aufgrund ihres Kultstatus auch hier Erwähnung finden sollen: “Cornas Les Chaillots” aus mehrheitlich jüngeren Reben und “Cornas Reynard” aus Trauben von den älteren Rebstöcken. Mit seinen beiden spektakulären Syrahs hat Thierry Allemand eine so große Anhängerschaft, dass seine Weine eigentlich nicht auf dem freien Markt erhältlich sind. Wer also jemals eine Flasche in die Hand bekommen sollte, sei es im Restaurant oder Fachhandel, kaufen, kaufen, kaufen. 

Die Gamays von Clotaire und Yuka:

Die Zeit bei Thierry prägt Clotaire in zweierlei Weise: Erstens lernt er, was es bedeutet als ‘low-intervention’ Winzer zu arbeiten. Viel Vertrauen in das eigene Handwerk, die eigene Erfahrung sowie in die eigenen Trauben gehören genauso dazu, wie nicht bei kleinsten Fehlschlägen in Aktionismus zu verfallen, sondern den Wein in seiner Herstellung nur zu begleiten. Zweitens kommt Clotaire hier mit der sehr traditionsreichen Weinherstellung und ihren Methoden in der nördlichen Rhone in Kontakt, die auf die lokale Rebsorte Syrah ausgerichtet sind. Die Trauben werden in Cornas und Umgebung im Stahltank oder offenen Holzfass inklusive ihrer Stile (oftmals spontan) vergoren. Durch häufiges Unterstoßen der Trauben wird aus den Traubenschalen und -stielen eine ordentliche Menge Tannin extrahiert. Dieses Tannin wiederum verleiht dem Wein zwei Eigenschaften: Einerseits ist der Wein in jüngeren Jahren sehr ruppig und bereitet kein volles Trinkvergnügen, andererseits geben die Tannine dem Wein ein unglaubliches Alterungspotential und nach etwa fünf bis acht Jahren ein unglaubliches Geschmackserlebnis, das mit steigendem Alter des Weins nur besser wird. 

Clotaire’s wunderschönes Beaujolais

Die Reise ins Beaujolais

Die beiden Winzer verstehen sich prächtig und so steigt Clotaire bei Thierry bis zum Kellermeister auf – ein Ritterschlag und großes Lob für einen noch jungen Winzer. So beginnt Clotaire hier auch seinen ersten eigenen Wein herzustellen. Auf der Suche nach eigenen Weinbergen in der Gegend um St. Joseph wird er jedoch von der Realität eingeholt: Der immer besser werdende Ruf der Nordrhone spiegelt sich leider auch in immer höheren Preisen für Weinberge wieder. Ein nicht zu überkommendes Problem für Clotaire. So entscheidet er sich schweren Herzens der Region seinen Rücken zu kehren und anderswo entlang der Rhone nach einem Weingut zu suchen. 

Clotaire benutzt eine alte Korbpresse für eine besonders schonende Verarbeitung seiner Trauben

Fündig wird er im Beaujolais im kleinen Dorf Saint-Étienne-la-Varenne nördlich von Lyon, keine 2 Stunden von seinem bisherigen Lebensmittelpunkt entfernt. Hier kauft er gemeinsam mit seiner Frau ein altes Gutshaus mit angeschlossenem Weinberg. Die Reben sind zwischen 50 und 100 Jahre alt und, für das Beaujolais typisch, ausschließlich von der Rebsorte Gamay. Auf den mineralischen Böden, oftmals mit einem hohen Granitanteil, wächst Gamay besonders gut und Clotaire schafft es aus dem Lesematerial mit nur minimalem Eingriff im Keller zwei fantastische Beaujolais zu erzeugen: “Libre Pensée” und “À fleur de peau”. Beide Weine sind unverkennbar von der gleichen Handschrift geprägt und dennoch grundverschieden. Der “Libre Pensée” ist ein eher fruchtbetonter “Glouglou” Wein mit viel knackiger Kirsche und Himbeernoten; “À fleur de Peau” ein eher ernsthafter Beaujolais mit dunkleren Waldfruchtnoten, der zum Nachdenken einlädt. 

Unser Fazit: Rotwein der Extraklasse

Was Clotaire und seine Weine von vielen anderen Winzern im Beaujolais unterscheidet: Seine Herstellung. Oftmals werden in dieser Region die Gamay-Trauben im “Macération Carbonique” Verfahren zu Wein gekeltert. Das Resultat ist zumeist ein sehr leichter, samtiger Rotwein mit heller Farbe und unverkennbar knackigen Kirsch-, Himbeer und Erdbeernoten sowie einem vergleichsweise geringen Alkoholgehalt um 12,5%. Clotaire jedoch verwendet die Methoden, die er bei Thierry gelernt hat: Schonende Pressung, Vergärung in offenen Stahltanks oder Holzfässern sowie regelmäßiges Unterstoßen. Hieraus entstehen Clotaire’s Weine, die deutlich dunkler in der Farbe sind, mehr Würze mit ins Glas bringen und deren Frucht meist ein paar Noten dunkler ist, als es bei anderen Weinen der Region der Fall ist. Wir bei Forever Thirsty sind restlos von seiner Stilistik und seinen Weinen begeistert. Nordrhone meets Beaujolais – the best of both worlds. 

Domaine des Mathouans

Aline Hock, ein Name den man im Roussillon inzwischen immer öfter hört und kennt. Energiegeladene Weine, gereift unter der Sonne im Süden Frankreichs und mit der für Aline unverwechselbaren Mischung aus Frucht- und Kräuternoten. Ein Wink des Schicksals führte sie in den 2000er Jahren in eine der malerischsten und spannendsten Weinregionen Frankreichs und seitdem gab es kein Zurück mehr. Wer die Weine von Aline noch nicht kennt, ist bestens beraten sie zu probieren. Spannung und Trinkfreude sind garantiert!

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Aline und ihr Team von der Domaine des Mathouans

Aline auf Umwegen

Aline’s Geschichte als Winzerin nimmt ihren Anfang in Luxemburg zu Beginn dieses Jahrtausends. Unzufrieden mit ihrem Beruf in der Rechtsabteilung einer großen Bank beginnt sie aufgrund ihrer Liebe und Leidenschaft für Wein nebenher eine Ausbildung zur Sommeliere und Önologin (Weinbauerin). Teil der Ausbildung ist ein Praktikum in einem Weinbaubetrieb. Das Schicksal führt Aline zu Lucien Salani von Domaine des Balmettes in der Nähe von Perpignan. Für sie ist bald klar, dass es kein Zurück gibt: Weder nach Luxemburg, noch zu ihrem Beruf in der Bank. 

Während ihres Praktikums ist es Lucien, der Aline für das Roussillon begeistert und ihre Philosophie bis heute nachhaltig prägt: Ein reinsortiger Ausbau der lokalen Rebsorten (Macabeu, Muscat Petit Grains, Grenache, Carignan, Syrah, u.a.) um das lokale Terroir im Agly-Tal mit all seinen Besonderheiten darzustellen, spielt bei beiden eine große Rolle. Zudem ist Lucien seit seinen Anfängen als Winzer ein Verfechter des biodynamischen Weinbaus; Auch Aline ist der Überzeugung, dass dieser Ansatz die beste und nachhaltigste Methode ist um pure, spannende und begeisternde Weine auf die Flasche zu bringen. 

Die Weine von Aline:

Domaine des Mathouans: Böden und Reben

Seit 2009 bewirtschaftet sie gemeinsam mit ihrem Ehemann etwa 12 Hektar in der kleinen Ortschaft Latour-de-France im Agly-Tal in ihrem eigenen Weingut, Domaine des Mathouans. In einer biodynamischen Kreislaufwirtschaft mit eigenen Kühen, Schafen, Hühnern, Katzen und Hunden bewirtschaftet sie ihre Weinberge nur per Hand und mit der Hilfe ihrer Pferde. Etwas anderes wäre oft auch nicht möglich: Teilweise sind ihre Rebstöcke über 100 Jahre alt und so eng gepflanzt, dass Maschinen gar keinen Platz haben. Ihr Carignan Noir, Syrah und Grenache Gris stehen auf einem Lehm-Kalkboden, der Macabeu auf schwarzem Tonmergel, Grenache Noir, Muscat Petit Grains und Lledoner Pelut auf Gneiss und ihr Carignan auf Granit. 

Die unterschiedlichen Böden, das warme Wetter im Roussillon sowie Aline’s Handwerk und Geschick im Weinberg und -Keller ergeben fantastische Weine. Ihre Pet-Nats und weißen Weine sind alle von einer erstaunlich frischen Frucht geprägt, die mit einer unbeschreiblichen Trinkigkeit einhergeht. Schon hier kommt Aline’s eigener Stil klar zum Vorschein: Der Fokus bei Ihren Weinen soll nicht nur auf der Frucht liegen, sondern von wunderbaren Kräuternoten begleitet werden, die am Mittelmeer heimisch sind: Rosmarin, Thymian, Lavendel, Oregano, etc.

Aline’s wunderbares Handwerk

Sichtbar wird ihre tolle Arbeit vor allem bei Ihren Rotweinen. Sei es der Carignan mit seiner tiefroten Farbe und super Struktur, ihr frischer und mineralischer Grenache oder der autochthone Lledoner Pelut mit seiner Kräuterfrische, Aline weiß mit all Ihren Weinen zu überzeugen. Im Keller wird der Wein eher begleitet als durch viel Arbeit ausgebaut: Wenig Einsatz von Maschinen (hauptsächlich Pumpen), viel Zeit, eine spontane Vergärung der Trauben ohne jegliche Zusätze und der geduldige Ausbau, meist in alten Holzfässern, sprechen von einem tiefen Verständnis für das Handwerk des Weinbaus. Aline schwefelt, wie viele Winzer*innen, die sich dem Naturwein verschrieben haben, nur ganz minimal beim Abfüllen auf die Flasche. 

Unser Fazit

Ein Besuch ist die Domaine des Mathouans immer wert. Aline ist eine energiegeladene, bewundernswerte Frau, deren Lächeln sofort ansteckend ist. Neben ihrem Weinbau hat sie eine tolle Ferienwohnung auf ihrer Domaine und betreibt zusätzlich noch ein kleines Restaurant mit angeschlossener Naturweinbar auf der anderen Straßenseite (Le Coq à L’Ane). Ein wunderbarer Ort um gut zu essen, Aline’s und andere lokale Weine zu probieren und auch die ein oder andere Winzer*in zu treffen, die gerne in das Lokal kommen. Wir lassen uns gerne von Aline’s Weinen und ihrer Energie anstecken. Ihr solltet das auch. Vielleicht gibt es kein Zurück mehr?

Karim Vionnet

Sex, Rockn’Roll & Gamay auf dem T-Shirt, AC/DC im Ohr und unendlich viel Liebe zum Terroir. Man könnte in so wenigen Worten versuchen, Karim Vionnet zu beschreiben. Aber das würde seiner Person nicht gerecht werden. Er ist genauso vielschichtig wie seine Weine. Egal ob Beaujolais Villages, Chiroubles oder Fleurie. Alle sind sie unterschiedlich. Alle so unverkennbar eigen. Jeder der Weine, die Karim herausbringt, hat seinen eigenen Charakter, seine eigenen Noten, ganz wie Karim selbst. Beaujolais zum verlieben, zum reinfühlen!

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Der Weg zum Winzer

Die Geschichte von Karim Vionnet ist inspirierend, von einem mutigen jungen Mann, der entgegen allen Erwartungen doch einfach nur das macht, was er liebt. Wein! Geboren in Lyon als Sohn Nordafrikanischer Einwanderer, wurde er von der Familie Vionnet aus Morgon adoptiert. Keiner in seiner neuen Familie ist Winzer oder in der Weinwelt verankert. Nichtsdestotrotz hatte sein Vater, Monsieur Vionnet, immer gerne eine Flasche guten Beaujolais auf dem Tisch stehen.

Karim in seinen Weinbergen

Der Weg in die Weinwelt ebnete sich früh. Karim befreundete sich als Kind mit Marcel Lapierre’s Neffen, der ihn mit 10 Jahren zu seinem Onkel aufs Weingut nahm um bei der Lese zu helfen. Von da an begleiteten ihn die ganz grossen Namen im Beaujolais als Mentoren: Jean Foillard, Guy Breton und Jean-Paul Thévenet, für den er insgesamt 11 Jahre arbeitete. Nachdem er so viel Erfahrung gesammelt hatte, wollte Karim endlich seinen eigenen Wein machen. Doch da wurden ihm die ersten Steine in den Weg gelegt. Zum einen konnte er kein Land kaufen, da er nicht aus einer Winzerfamilie kommt und somit kein Standing hatte. In einem so eng vernetzten Teil der Welt ist das Standing das A und O. Zum anderen machte ihm sein Nordafrikanischer Vorname Schwierigkeiten Fuß zu fassen.

Das juckte Karim insgesamt sehr wenig, denn wie die Engländer so schön sagen “against all odds” bahnte er sich seinen Weg über die Steine. In 2006 pachtete er seine ersten 2 Hektar in dem kleinen Ort Quincié-en-Beaujolais, unweit von Villie-Morgon, wo heute sein Keller liegt und die meisten seiner Trauben herkommen. Zwischenzeitlich hatte er, verteilt auf die Cru’s Chiroubles, Chénas und Moulin-á-Vent, sogar 10 Hektar die er 2013 aufgrund der immensen Arbeitslast aber wieder reduzieren musste.

Die 3 Beaujolais Crus von Karim:


Mittlerweile steht sein Name ganz selbstbewusst auf seinen Flaschen und er besitzt zwar weiterhin kein Land, pachtet aber dennoch knapp 5 Hektar in den einzelnen Cru Regionen verteilt und bearbeitet die Gamay Rebstöcke händisch und biologisch ohne viel Schnickschnack. Im Keller greift er nicht viel ein. Viele seiner Weine machen Macération Carbonique durch, die Tanks werden auch erst ganz kurz vor dem Einfüllen in die Flasche geöffnet um das CO2 entfliehen zu lassen, welches bis dahin den Wein und seine reinen Fruchtaromen konserviert hatte. Bevor der Korken reinkommt, noch 1 Gramm Schwefel rein, sodass Karim nachts gut schlafen kann und Voilá: Karim Vionnet’s Weine.

Guy Breton: ein Pioneer, Wegweiser und wo alles anfing

In 2005 war Karim schon fester Bestandteil des Leseteams bei der Naturweinlegende Guy Breton. Es war dort, wo er seinen ersten zukünftigen Kunden aus Japan traf und alles so langsam aber sicher ins Rollen kam. Die ersten vier Jahre benutzte Karim Guy’s Keller um die Trauben aus seinen 2 Hektar zu verarbeiten. 2010 zog er dann nach Villié-Morgon in seinen eigenen Keller. Die Presse, die er verwendet, ist ein Geschenk einer anderen Naturweinlegende: Jean Foillard.

Es waren genau diese beiden mit Hilfe von Marcel Lapierre und Jean-Paul Thévene die die Rückbesinnung auf die “alten” Weinherstellungsmethoden im Beaujolais mit unglaublichen Erfolg voranpeitschten. Weg von gekauften und künstlichen Hefen, weg vom eintönigen Geschmack von Bananen und Erdbeeren, weg von Konvention, weg von den Fesseln. Stattdessen entstanden Weine mit einer klaren Sprache. Fein, elegant und kraftvoll. Wenig Schwefel, keine Filtration, Gärung in ganzen Trauben und Reife im alten Holzfass. Nicht zu vergessen ist die biologisch-nachhaltige Arbeit im Weingarten. Nicht viel anders bei Jean Foillard oder Guy Breton. Genau in dieser Schule wurde der junge Karim ausgebildet.

Karim Vionnet möchte elegante, trinkbare und dennoch explosive Weine produzieren. Anders als seine Mentoren benutzt er so wenig Schwefel wie nur denkbar möglich und verwendet ihn auch nur beim Abfüllen. Ein Holzfass sehen nur seine etwas kräftigeren Weine aus Chiroubles und Fleurie. Anfangs hatte Karim Vionnet Schwierigkeiten mit flüchtiger Säure und Brett. Dann stellte er eben nur noch auf Stahl und Beton um und voilá, das Problem war gelöst. Karim Vionnet ist eben einer der ersten aus einer neuen Generation von Winzer*innen im Beaujolais, basierend auf der Schule der “Vierer-Gang”. Eine Neudefinition des lokalen Stils, die tiefste Spuren hinterlassen hat.

Das Beaujolais – Einzigartiges Terroir und oft übersehen

Fragen wir einige unserer Freunde oder Eltern, die die 80er Jahre mitmachen durften, kommt zu Beaujolais meist nur ein Seufzen oder ein Schmunzeln. Denn diese Weine hatten bzw. haben gar keinen guten Ruf. Dank Winzer wie Guy Breton, Marcel Lapierre oder eben Karim Vionnet hat sich dieser Ruf in den letzten Jahrzenten glücklicherweise geändert. Der schlechte Ruf ging eigentlich mehr auf die “künstlich” gemachten und schmeckenden Tropfen zurück. Das Terroir des Beaujolais ist nämlich einzigartig und muss sich vor anderen großen Regionen Frankreichs kaum verstecken. Das Beaujolais umfasst 12 AOC’s und 10 Crus, alle mit unterschiedlichsten Bodenbeschaffenheiten. Das wohl bekannteste Cru ist “Morgon”, vor allem mit seiner großen Lage “Cote du Py” entlang des Py Berges.

Die meisten Weinflaschen macht Karim Vionnet als Beaujolais-Villages. Beaujolais-Villages dürfen die Weine genannt werden, die aus den 38 Ortschaften im Beaujolais kommen. Die Böden reichen von Gneiss über Sandstein zu Schiefer. Beaujolais-Villages Weine sind meist fruchtbetont und etwas leichter und unkomplizierter als die Cru’s. Am Besten sollten sie auch jung getrunken werden um den charmanten Charakter nicht zu verlieren.

Die typische Form alter Gamay-Reben

Ein Cru, in dem Karim Vionnet auch arbeitet, ist Fleurie. Die Reben wachsen hier auf sandigem pinken Granitböden auf ca 340m. Höhe. Die Verhältnisse der Böden in Fleurie ändern sich teilweise innerhalb eines Weinbergs und sind sehr variiert. Die einen tiefergehend, andere mit weniger Granitanteilen aufgrund stets wiederkehrenden Erosionen. Generell haben Fleurie Weine einen blumigeren Charakter und sehr weiche Tannine, etwas das man in Karim Vionnet’s Fleurie auch wiederfindet.

In seinem Portfolio finden wir auch einen Chiroubles. Die Weingärten in Chiroubles sind die am höchsten gelegenen im Beaujolais. Situiert auf Hügelterassen, die wie “Amphietheatren” angelegt sind, wachsen die Reben hier auf sandig-pinkem Granit. Auch hier sind Karim’s Weine typisch für die Gegend. Blumig aber elegant mit mehr Säure und beerigen Noten.

Das Chénas ist die kleinste AOC im Beaujolais, jedoch eine mit unglaublichem Charakter. Die Weine sind kräftiger mit runderen Noten dunkler Waldbeeren und Wintergewürzen. Dort produziert Karim Vionnet seinen warscheinlich komplexesten Wein, der dennoch mit einer unglaublichen Trinkigkeit gesegnet ist.

Unser Fazit

Nicht nur ist Karim ein super sympathischer Typ, sondern er macht auch noch super Weine. Als “Young gun” der neuen Generation von Winzer*innen im Beaujolais ist er maßgeblich daran beteiligt, die Gegend wieder auf die (Wein)Landkarte zu hieven. Man kann es nicht anders sagen: Wer das neue Beaujolais kennenlernen will, muss die Weine von Karim Vionnet probiert haben. Ganz große Klasse!