Orangewein

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Naturwein: Der Orangewein

Orangewein wird immer beliebter und populärer in der Weinszene und wird oft mit Naturwein in einem Satz genannt. Jedoch nicht nur in der Naturwein-Nische ist dieser intensive, geschmackvolle Wein beliebt, sondern auch immer mehr konventionelle Produzent*innen nehmen diese Weinfarbe in ihr Sortiment auf. Orangewein ist also keinesfalls immer Naturwein, auch wenn er bei den Naturweinwinzer*innen ein sehr beliebtes Produkt ist, da er sich durch große Aromenvielfalt und Spannung auszeichnet. Orangewein kann Naturwein sein, muss es aber nicht und Orangewein kann in einer Amphore oder einer traditionell georgianischen Quevri gären, muss es jedoch nicht. Orangeweine können sehr unterschiedlich in Aussehen, Geruch und Geschmack sein und sind fast schon eine Gegenbewegung zu den klinisch sauberen, uniformen Weißweinen, wie sie seit der Erfindung der Reinzuchthefen, Enzymen und technisch, physikalischen Verfahren der modernen Önologie konstruiert werden. Probieren lohnt sich!

Wie wird Orangewein hergestellt?

Orangewein wird so, wie schon zu vermuten war, wegen seiner intensiv gelben bis orangen Farbe genannt. Diese stammt von den Anthocyanen, also der Farbe aus der Beerenschale. Orangewein entsteht durch eine verlängerte Maischestandzeit, also den Kontakt des Mostes mit den Beerenschalen aus weißen Trauben. Meist wird der Most auf der Maische vergoren, das heißt die Maischestandzeit kann mehrere Tage, bis mehrere Wochen oder sogar Monate andauern. Durch den während der Gärung entstehenden Alkohol werden die Farbstoffe und auch die Gerbstoffe verstärkt gelöst. Die Gerbstoffe wirken antioxidativ, weshalb Orangeweine auf natürliche Art und Weise geschützt sind und keinen oder nur sehr wenig Schwefel zum Konservieren brauchen. Gleichzeitig kommt es durch die Maischestandzeit zu einer natürlichen Entsäuerung beim Orangewein, welche sich durch Ausfall von Weinstein äußert. Die Weine wirken dadurch runder und üppiger. In heißen, säurearmen Jahren sollten deshalb lieber die Finger von zu viel Maischekontakt gelassen werden, da sonst die Frische des Weines verloren geht. Orangewein wird oft aus Aromarebsorten hergestellt, da deren intensive Aromen durch die Maischgärung voll zur Geltung kommen. So zum Beispiel Gewürztraminer, Scheurebe, Riesling oder Muskatrebsorten wie Muskateller.

Was soll ich zum Orangewein essen?

Natürlicher Orangewein hat oft eine etwas rauere, gerbige Charakteristik und schmeckt sehr viel intensiver als Weißwein. Die Aromen sind dichter, teilweise kräuterig und gelegentlich vollfruchtig. Der manchmal etwas oxidative Geschmack ist am Anfang etwas ungewohnt, dann jedoch will man ihn als Abwechslung zu Weiß, Rot oder Rosé nicht mehr missen. Orangewein genießen muss jedoch erst einmal gelernt werden. Durch den sehr eigenen Geschmack von Orangeweinen können Rebsorten oft nicht mehr in ihrer ursprünglichen Sortentypizität erschmeckt werden, weshalb man auch nicht auf die üblichen rebsortenspezifischen Speisebegleitungen zurückgreifen kann. Zu Orangeweinen passen vor allem proteinhaltige und eher salzige Speisen, speziell aus der japanischen Küche und Fisch. 

Wann und wie kann Orangewein getrunken werden?

Orangewein kann quasi aus jeder weißen Rebsorte hergestellt werden und hat dadurch ein großes Geschmacksspektrum. Durch seine Tannine und Gerbstoffe und seine intensiven Aromen ist er ein relativ kräftiger Begleiter, mit dem auf dem Speisetisch intensive Geschmäcker gepaart werden können. Orangewein ist nicht ganz so kühl wie Weißwein zu genießen und sollte eher Temperaturen zwischen 10 und 15 °C Grad im Glas haben. Ist Orangewein zu kalt, sind nur seine markanten Gerbstoffe spürbar und nicht seine Aromenvielfalt. Der natürliche Wein entwickelt mit der Zeit und bringt je nach Temperatur neue geschmackliche Überraschungen in das Glas – manchmal kann sogar dekantieren den perfekten Feinschliff zum optimalen Degustieren geben. Toll an den gerbstoffreichen Weinen ist, dass diese auch nach ein paar Tagen noch genießbar sind, da die Gerbstoffe den Wein konservieren. Bei uns kannst du tollen Orangewein aus Chardonnay von Mike Muff aus Österreich probieren, welcher sich durch Kräuteraromen, leichte rauchige Nuancen und einen Limettenspritzer auszeichnet. Oder du reist zu Pierre Frick ins Elsass von welchem du Orangewein vergoren aus den aromatischen Gewürztraminertrauben kosten kannst, welcher wirklich mit Orangennoten den Gaumen umsäuselt, etwas würzige Zimtaromatik mitbringt und diese durch Pfirsichnoten abrundet. Oder doch lieber ein Gewürztraminer von dem kleinen Weingut Grawü aus Südtirol? Ein Klassiker und must-try unter den Orangeweinen ist von Werlitsch aus der Steiermark – er heißt nicht ohne Grund Glück! 

Der Ursprung des Orangeweins: Georgien

Unser Weißwein wie wir ihn heute kennen, reinfruchtig und blitzblank ist nicht schon immer so gewesen.  Seinen traditionellen Ursprung hat Orangewein unter anderem in Georgien, wo er typischerweise in Quevris also Amphoren durch Maischegärung hergestellt wird und das schon seit über 7000 Jahren. Dabei werden die großen Tongefäße aus statischen und klimatischen Gründen in der Erde vergraben. Mittlerweile ist die Vinifizierung in Amphoren auf der ganzen Welt verbreitet und beliebt. Die Orangeweine aus der Amphore aus Georgien zeichnen sich durch einen sehr oxidativen Charakter aus. Mittlerweile werden jedoch auch viele Orangeweine aus der Amphore mit reduktivem Charakter hergestellt. Auch bei uns kannst du tolle Amphorenweine probieren, zum Beispiel vom Tröpfltalhof in Südtirol.

Fehlerhafter Naturwein

Die Orangeweinherstellung ist besonders anfällig dafür Weinfehler hervorzubringen, da die lange Maischenstandzeit die Gefahr von beispielsweise Essigbildung birgt. Außerdem gilt bei Orangewein die gleiche Regel wie bei Rotwein: Das Lesegut muss perfekt sein. Durch den langen Kontakt können sich sonst unliebsame Hefen und Bakterien vermehren, die dem Wein einen unguten Charakter geben. Der Wein schmeckt dann mehr nach Sauerkraut, Uhu- und Lacknasen, überoxidiert oder er Mäuselt. Die Arbeit im Weinberg bestimmt also in erheblichem Maße das spätere Produkt. Da der Weinmarkt mittlerweile von Orangeweinen überflutet ist, gibt es leider das ein oder andere ungenießbare Produkte von Produzent*innen, die der Meinung sind, Wein wären nur vergorene Trauben und unter dem Namen Orangewein eine Ausrede verstehen, fehlerhaften Wein zu vermarkten. Dies führt zu viel Kritik an der Naturweinszene und schadet deren Ruf. Fehlerfreien Naturwein herzustellen bedarf ein hohes Maß an Sauberkeit, Genauigkeit, chemischen Wissens, harter Arbeit und Passion. 

Der Weg des Orangeweines

Die Anfänge des Orangeweins in Deutschland wurden mit viel Hohn und Spott begrüßt. Ähnlich wie die Anfänge von im Holz gereiften Weißwein: Es war schlicht nicht üblich und von von der Norm abweichenden Geschmäckern nicht gern gesehen. Der Mensch ist eben ein Gewohnheitstier. Nach und nach wurde Orangewein jedoch nicht mehr nur als kurzes, ausartendes Experiment abgetan, sondern als neue Weinform von Sommeliers und Gastronomen anerkannt. Mittlerweile bekommen Orangeweine sogar manchmal eine amtliche Prüfnummer in Deutschland und werden damit amtlich als Qualitätswein anerkannt. Viele Naturweinwinzer*innen verzichten jedoch mittlerweile aus Protest gegen das konventionelle System freiwillig auf die AP-Nummer. 

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