Mike Muff

Mike Muff, das ist einer der neuesten, wilden Winzer aus dem Burgendland in Österreich. Und zwar nicht von irgendwoher: vom Neusiedlersee. Und dort auch nicht irgendwo, sondern in Gols vinifiziert und kultiviert Mike Muff seine Weine. Mike hat auch nicht irgendwo gelernt, sondern beim Naturweinpionier Claus Preisinger. Mike Muff ist dabei definitiv nicht den direkten Weg zum Wein gegangen. Doch gerade seine Umwege geben seinem Wein den richtigen Grad an Funkyness und Techno. 

Sprungbrett

Techno und Wein – Mike Muffs Weg des Weines

Viele Wege von WinzerInnen sehen sehr ähnlich aus: eine Winzerausbildung, ein Betrieb zuhause und dann vielleicht noch ein Studium oben drauf. Mike Muff hat das anders gemacht und weicht von den Konventionen ab. So auch sein Wein. 

Der erste Ausbildungsschritt Mike Muffs war eine Ausbildung zum Elektromonteur in der Schweiz. Die Ausübung des Berufes war nach gewisser Zeit für ihn nicht das Ende der Fahnenstange – es fehlte ihm noch das gewisse Etwas für die Erfüllung der Lebenssinnhaftigkeit. Um das zu finden arbeitete Mike Muff in verschiedenen Bars, lernte viele Weine kennen die ihn abschreckten und andere die ihn faszinierten und legte dazu etwas Techno auf. Wein und Musik können in Symbiose miteinander gehen, sich abstoßen oder sich widersprechen. Musik ist vielseitig, hat unglaublich viele Töne, kann Laut und Leise sein, von schnellem oder langsamem Rhythmus. Ob die Musik Mike Muff guten Wein erklärt hat? Jedenfalls kann Musik nicht von eintönigem, chemisch gemixtem, farblosem Wein adäquat begleitet oder untermalt werden sondern brauch Wein, welcher aufregend ist, aromenreich, natürlich und vielseitig. 

Die Wahnsinns-Weine von Mike:

Von Sepp Moser über Preisinger, Trapl und Judith Beck: Die Mentoren Mike Muffs

Auf Mikes Weg folgte nun, er ist jetzt 35 Jahre, eine Winzerausbildung. Neben der Ausbildung vinifiziert Mike Muff bereits seine ersten eigenen Weine – denn ohne Theorie keine Praxis. Die Trauben dafür kauft er von Freunden und Bekannten zu. Nach dieser Station, bei welcher die Grundlagen des Weinbaus und der Weinbereitung klar wurden, ist Mike Muff bereit mehr Erfahrung bei gestandenen WinzerInnen zu sammeln. Es zieht ihn zunächst in den Keller vom biodynamischen Weingut Sepp Moser im Kremstal. Sepp Moser steht für finessenreiche Weißweine. Die nächste Station sollte ein sehr wichtiger Schritt in Mike Muffs Weinlaufbahn sein – er fing bei Claus Preisinger in Gols an zu arbeiten. Claus Preisinger damals aufstrebender Winzer der biologischen-dynamischen Naturweinszene sollte für viele Jahre Mike Muffs Lehr- und Arbeitsplatz sein. Preisinger, den Mike Muff als sein Mentor bezeichnet, prägte unverkennbar die Stilistik von Mike Muffs Weinen. Nach etwa zehn Jahren bei Preisinger lautete die nächste Station Johannes Trapl, ein durch und durch biodynamisch geprägter Winzer im Carnurntum in Österreich. Nach etwa drei Jahren dort möchte sich Mike mehr auf seine eigenen Weine konzentrieren. Er beginnt drei Tage die Woche bei der Naturweingöttin Judith Beck am Neusiedlersee zu arbeiten und nebenher seine eigenen Weine zu keltern. Seit 2017 hat er eigene Weinberge und fokussiert sich dort auf die internationale Rebsorte Chardonnay und die in Österreich heimische Rebsorte Blaufränkisch.  

Die Weine Mike Muffs

Mike Muff macht mutige, meist maischevergorene Weine, welche im gebrauchten Holz reifen. Seine Rebsorten der Wahl sind in den letzten Jahrgängen Chardonnay, Blaufränkisch und Merlot. Blaufränkisch und Chardonnay stammen aus seinen eigenen Weinbergen, welche er seit 2017 biodynamisch bewirtschaftet. Sie tragen die Namen Lerchfeld und Goldberg. Die Weine von Mike Muff sind definitiv Naturweine, sind unerschrocken, wild und doch finessenreich. Seine Chardonnays funkeln in sattem Orange im Glas mit fast schon ockerfarbigen Reflexen. Sie sind rauchig, etwas salzig, mit Anklängen von Limette und leichten Kräuternoten. Im Mund entfaltet sich der Geschmack reifer Banane und frischem Apfel. Durch die Säure und den moderaten Alkoholgehalt wirken Mike Muffs Chardonnays frisch am Gaumen und haben einen guten Trinkfluss. Der Chardonnays von 2018 tendiert im Vergleich zu 2017 zu weniger Alkohol und sanfteren, leichteren Aromen. Mike Muffs Blaufränkisch vom eigenen Weinberg schmeckt nach Waldbeere, Würzigkeit und Sauerkirsche und ist damit typisch für die autochthone, österreichische rote Rebsorte. Bei Mike Muff wird dies für das gewisse Extra gepaart mit leichten Tanninen und einer frischfruchtigen Säure. Mike Muffs Weine sind eine Neuerung und Bereicherung der vielseitigen Naturweinszene in Österreich – seine Weine sollte man definitiv probieren! Dabei kann man auch Mike Muffs lässige Etiketten sammeln: diese haben zwar immer den gleichen Stil und den gleichen Designer hinten dran, sind jedoch jedes Jahr unterschiedlich. 

Terroir und Reben

Mike Muffs Weinberge liegen am Neusiedlersee bei Gols und sind geprägt von sandigen, kalkhaltigen Schotter- und Schwarzerdeböden. Durch den Kalk im Boden wird die Säurestruktur der Weine unterstrichen. Das tolle am Neusiedlersee sind seine Böden: Kaum stand man auf Schotter, steht man plötzlich schon auf Sand. Eines der Besonderheiten am Neusiedlersee sind die verschiedenen Böden, die eine große Sortenvielfalt möglich machen. Die Parndorfer Platte, ist ein von der Eiszeit geprägtes Schotterplateau von erheblichem Ausmaß – 200 km² weit erstreckt sich die Ebene im nördlichen Burgenland. Zum Neusiedlersee hin fällt die Platte in steilen Terrasse ab. Der Boden der Parndorfer Platte ist durchlässig, hier ist es etwas kühler und windiger. Perfekt für St. Laurent, Pinot und Zweigelt. An die Parndorfer Platte schließen im Südwesten sandig-lehmige, schwere Böden an. Hier gefällt es besonders dem Blaufränkisch gut. Die ebenen Lagen im Seewinkel sind besonders gefällig für Weißweine und Zweigelt. 

Unser Fazit

In Österreich gibt es jede Menge Blaufränkisch und Chardonnay – die von Mike Muff sind jedoch besonders. Manchmal mag man denken man kennt schon alles und man würde gerne mal wieder etwas anderes probieren, dann sind die Weine von Mike Muff auf alle Fälle eine positive Überraschung. Für Neueinsteiger in den Naturwein sind Mike Muffs Weine definitiv ein Sprung ins kalte Wasser – aber warum diesen nicht wagen? 

Christoph Hoch

Christoph Hoch ist einer der mitreisst, einer der immer ein Lächeln parat hat, einer dessen Leidenschaft und Wille zur Veränderung Berge versetzen zu scheint. Christoph Hoch ist Naturwinzer, Vater, Ehemann und ein wirklich unglaublich sympathischer Kerl. Einer zum gern Haben. Wenn man auf ihn trifft, hat man einfach eine gute Zeit. Scherz um Scherz.

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Christoph in seinem Keller

Christoph’s stille Weine sind erfrischend leichtherzig mit dem gewissen Kick, seine Schaumweine einmalig, so wie eben Christoph auch. Seine Liebe zur Natur manifestiert sich in jeder Flasche, ebenso wie die tiefe Verbundenheit zum Hollenburger Terroir. Christoph Hoch arbeitet Biodynamisch und ist Demeter zertifiziert, aber seine Arbeit beruht nicht nur auf Steiner’s Lehren . Er ist ein Innovator, jemand mit der zündenen Idee. Genauso das war der Grund dafür, dass sein Kalkspitz, Kalkreich und Rosé Rurale zur absoluten Spitze unter Österreichs Schaumweinen gelangt sind. Schaumwein können nicht nur Franzosen, sondern eben auch Christoph Hoch.

Der Weg des Weins

Bei Christoph Hoch fing alles 2009 an. Die fünf Hektar, die er vom Papa geerbt hatte, bekam er schon relativ früh im Voraus, um sich mit dem Terroir vertraut zu machen und mit der Familie mit anzupacken. Ärmel hochkrempeln und los gehts. Denn mit ihm gibt es die 12. Generation von Winzer bei den Hochs. Ihr habt richtig gehört: Christoph Hochs Familie macht nämlich seit 1640 in Hollenburg Wein – Richtig, seit der Zeit des Dreißig Jährigen Kriegs. Damit einher geht eine unglaubliche Tradition, die Christoph Hoch mit in die Wiege gelegt bekommen hat.

In 2013 dann sein erster eigener Jahrgang und die Hinwendung zur biodynamischen Bewirtschaftung und der damit verbundenen Umstellung seiner Weingärten. Seine Richtung, seine Weine. 2013 war für Christoph wegweisend in Richtung Eigenständigkeit. Sein Vater Harald und seine Frau Julie-Ann unterstützen ihn auf seinem Weg. Sie stehen 100 Prozent hinter Christoph! Nur so kann er “kompromisslos” den Charakter des Terroirs in Hollenburg zum Ausdruck bringen.

Naturwein von Christoph Hoch:

Kleine Champagne im Kremstal

Das Terroir ist hier besonders wichtig, denn es ist faszinierend ähnlich zu den Böden in der Champagne und doch anders. Formidabel für Schaumweine. Die Böden in Hollenburg sind ein Konglomerat, was im Endeffekt nichts anderes ist als erstarrte Flussablagerungen. Dieses Konglomerat ist das Produkt einer Kollision des historischen Traisenflusses und der Donau. Der Traisen transportierte Kalk aus den Alpen, der sich bei dieser Kollison eben mit den Kieseln aus der Donau vermischte und bis heute noch durch Kalziumkarbonat zusammengehalten wird. Dieser Kalk ist ähnlich aktiv und mineralhaltig wie der in der Champagne. Der Kalk in der Champagne ist jedoch Muschelkalk im Unterschied zum alpinen Kalk Hollenburgs.

Diese Überlegungen zu seinen Bodenbedingungen trieben Christoph Hoch dazu, Schaumwein zu machen. Wie er sagt: “Kann ja nicht sein, dass nur Franzosen das gute Zeug machen”. Deshalb kann Christoph Hoch auf eine Basis blicken, die ihm mineralisch strukturierte Weine mit toller Säure bietet. Ideal eben als Grundweine für die Schaumgärung aber auch für faszinierende und frische Stillweine.

Biodynamie und Pflanzenvielfalt

In seinen insgesamt jetzt 12 Hektar großen Weingärten arbeitet Christoph Hoch nach biodynamischen Prinzipien und ist eben auch Demeter zertifiziert. Es ist der Einklang zwischen Mensch, Tier und Pflanzen, der gesucht wird. Dieser Einklang bringt eine gesunde Umwelt mit sich, in der die Reben sich pudelwohl fühlen. Mit der Natur zu arbeiten und sich auf sie zu verlassen bringt selbstredend viele Herausforderungen mit sich. Aber das Resultat ist es wert. Christoph pflanzt zum Beispiel eine Vielzahl verschiedener Pflanzen in den Weingärten um das lokale Ökosystem zu unterstützen. So kommt es, dass man bei ihm Senfpflanzen, Roggen und diverse Wasserblattgewächse findet. Diese pflanzt er je nach Kategorie der Böden in den Lagen. Was besser zur Beschaffenheit passt, wird angepflanzt. Schließlich hat die Natur ja entschieden, was passt und was nicht. Die einzelnen Pflanzen bringen den Böden Wirkstoffe, die super wichtig für die Reben sind. Senf zum Beispiel liefert dem Boden natürliche Sulfate, der Roggen etwas Kohlenstoff und Wasserblattgewächse reichlich Stickstoff. Christoph Hoch bietet seinen Pflanzen auch Hilfe durch Kräuterpräparate, Tees sowie Hornkiesel und Hornmist an. Aber es hört nicht hier auf. Er kommt immer wieder auf neue Ideen seine Reben zu unterstützen. Vor nicht allzu langer Zeit hat er angefangen, stark fermentierte Gemüsesäfte zu spritzen. Das soll unglaublich gut gegen Krankheitsbefall helfen. Diese Expertise zur Biodynamie hat Christoph eine Lehrstelle in Krems verschafft.

Blick aus Christoph’s Weingärten auf die Donau

Minimalismus im Keller

Im Keller ist Christoph Hoch, wie zu erwarten ist, ein Minimalist. So wenig wie möglich machen, um den Geschmack Hollenburgs so direkt wie möglich in die Flasche zu bringen. Das Meiste, was Christoph anbaut, ist Grüner Veltliner, gefolgt von Riesling, Muskateller, Zweigelt und Blauem Portugieser. Davon werden drei Viertel zu Schaumwein verarbeitet. Konsequent wird aller Wein im gebrauchten Holzfass verarbeitet. Das Geheimnis der Arbeit bei Christoph Hoch ist aber das Mischen: Nicht nur verschiedener Lagen sondern auch verschiedener Keller, verschiedener Jahrgänge und verschiedener Lesezeiten. Seiner Meinung nach ergeben diese Mischungen ein besseres Bild des Terroirs in Hollenburg. Christoph Hoch verarbeitet die Trauben in zwei verschiedenen Kellern. Einen wärmeren, in dem er den biologischen Säureabbau stattfinden lässt und einen kühleren in dem der Abbau eher selten passiert. Gärungsprozesse passieren bei Christoph Hoch immer spontan und ohne Zusätze. Beim Abfüllen ist es auch nicht anders. Keine Filtration, keine Schöhnung und kein Schwefel, nur Natur und ein bisschen Hoffnung, dass alles glatt läuft.

Unser Fazit

Am Ende profitieren wir alle von Christoph Hochs unglaublicher Arbeit. Seine stillen Weißweine sind elegant, präzise, machen riesen Spaß und sind belebend. Grüner Veltliner, der eben nicht nur nach Äpfeln und Sellerie schmeckt. Würzig-Obstig-Säurig kommt er daher, genauso wie sein Riesling. Sein Hollenburger Rot ist ein leichter Rotwein, der jeden Tag Freude aufs Neue bringen soll. Die Stars sind aber die Schaumweine. Der Rosé ist ein ernstzunehmender und dennoch spritzig-leichter Perlwein. Der Kalkspitz ein stabiler freudespendender Tropfen und der Kalkreich ein seriöser und tiefer Wein mit seinen 3 Jahren Flaschenreife. Alle Schaumweine werden bei Christoph Hoch gleich hergestellt. Beim Abfüllen der Basisweine zur zweiten Gärung in die Flasche werden weder Zucker noch Hefen dazu gegeben, sondern Traubenmost. Beim Degorgieren wird bei allen Dreien ein bisschen frischer Wein hinzugegeben und siehe da – die Weine sind fertig zum genießen. Hoch’s Weine sind zum teilen und genießen. Weine die von Tradition, Herkunft und von diesem wunderbaren Land sprechen. Einfach gesagt: Christoph Hoch’s Weine.

Christina

Christina macht Weine zum Verlieben, Weine zum Spaß haben, Weine um die Seele einfach baumeln zu lassen. Warmherzig, charmant und strahlend präsentiert sich Christina Netzl, sowie ihre gleichnamige Linie an Naturweinen, ihren Gästen auf dem Hof in Göttelsbrunn. Alles hat damit angefangen näher am Ursprung des Weines zu sein, ohne Dinge zu stark verkopfen zu wollen. Christina’s Weine gehen leicht von den Lippen, sind präsent, hinterlassen einen bleibenden Eindruck. Nicht steif sondern locker und befreit. Naturwein für jeden zu jedem Anlass. Carnuntum reloaded.

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Christina’s Carnuntum

Eine halbe Stunde Autofahrt südöstlich von Wien liegt das Carnuntum. Die alte römische Provinz ist eingebettet zwischen Donau, Leithagebirge und der slowakischen Grenze im Osten. Reben wurde hier schon zu Römerzeiten angebaut und Wein produziert. Es ist eben eine traditionelle und geschichtsträchtige Gegend. Wein wird heute noch etwas..naja sagen wir “verstaubt” hergestellt. Für die Liebhaber des dichten und rauchigen Blaufränkisch.

Dann trifft man Christina und alles ist anders. Jung, lebendig und herzensfroh. Christina’s Etiketten verraten schon so Manches worauf wir uns im Glas freuen können. Grüner Veltliner, Chardonnay, Zweigelt, Blaufränkisch und St.Laurent sind ganz klassisch im Sinne des Anbaugebietes auch bei Christina die Stars. Jedoch frech und lebendig. Ihre Weine produziert Christina im Keller meist ohne Temperaturregulierung, nur natürliche Hefen und arbeitet vornehmlich mit Stahltanks. Wenig eingreifen ist die Devise. Begleiten und helfen. Schonende Verarbeitung und Zeit sind das Geheimrezept. Christina’s Weine werden nicht filtriert und nicht geschönt. Lediglich etwas Schwefel kommt in die Flasche damit sie nachts ruhig schlafen kann, wissend, dass es ihren Flaschen tip top geht.

Aus Liebe zur Natur

Gleich am Anfang führt uns Christina stolz in die Weingärten direkt hinter dem Hof. “Es ist so schön zu sehen, dass wir unsere Nachbarn überzeugen konnten, auch auf biologischen Weinbau umzustellen”. Für Christina war es eine Herzensangelegenheit die insgesamt 27 Hektar Weingärten auf biologische Landwirtschaft umzustellen. Umso größer war die Freude als die Nachbarn sich von der Liebe zur Natur mitreißen ließen und auch umstellten. Alles fing 2012 an als Christina ihre Tochter zur Welt brachte. In dieser Zeit fühlte sie sich besonders hingezogen zur Natur und kam zum Entschluss etwas zurückgeben zu wollen. Von einer Mutter zur anderen.

Die Naturweine von Christina

…und zum Boden

Die Böden um Göttelsbrunn sind charakterisiert durch quarzreiche, sandig-kiesigen Schotter. Dieser Schotter trägt großflächig eine Decke aus kalkig-dolomitischem, schluffigem Löß oder etwas tonigen Lößlehm. Der Schotterboden ist ideal für fruchtbetonte Weißweine, was Christina’s Stil sehr zugute kommt. Der feuchtigkeitsspeichernde und nährstoffreiche Löß bildet eine tolle Grundlage für harmonische und gehaltvolle Rotweine. Klimatisch präsentiert sich das Carnuntum klassisch pannonisch: Heiße Sommer, kalte Winter, moderiert durch die einzelnen kleinen Gebirge sowie Donau und Neusiedlersee.

“Bodenverhältnisse, Mikro-Klima und die natürlichen Umstände im Weingarten wurden für mich immer wichtiger. Zusätzlich inspiriert von meinen zwei Töchtern, wollte ich Mutter Natur etwas zurückgeben – so haben wir entschlossen, 2013 auf biologische Landwirtschaft umzustellen”

Christina Netzl

Früh hat Christina angefangen sich für Wein und Landwirtschaft zu interessieren. Schon seit Kindesalter half sie ihren Eltern bei der Arbeit in den Weingärten und lernte alles, was es zu wissen gab. Später studierte sie Önologie und Weinmanagement. Ihr Blick aber öffnete sich weit, als sie in London ein Praktikum bei einem Weinimporteur machte. Christina lernte Weine und Stile aus aller Welt kennen, absorbierte die verschiedenen Ansätze und erweiterte ihren Weinhorizont. Zurück in der Heimat konzentrierte sie sich stark darauf, den Ausdruck des Carnuntums in die Flasche zu bringen. Der Welt ein Bild zu präsentieren, was das Carnuntum kann. Mehr und mehr fand sie Interesse an “low impact” Verarbeitungsmethoden. Beides zu kombinieren war für Christina das Hauptziel. Weine die Göttelsbrunn und sein Terroir wiedergeben und trotzdem zeitgenössisch sind, indem man die klassischen Bearbeitungsmethoden wiederentdeckt und neu interpretiert. Straffe Säure, gute Trinkigkeit und eine schöne Frucht. Deshalb verzichtet Christina auf Schönungsmittel und extra Tralala der konventionellen Weinwelt.

Wein und das Klima: Eine Herausvorderung

Die größte Herausforderung für Christina ist die Arbeit mit dem Klima. In Göttelsbrunn kann es oft extrem heiß werden und das auch für längere Zeiträume. Das Risiko ist hier sehr alkoholreiche und dichte Weine zu bekommen, was der Hausstil der meisten Winzer*innen im Carnuntum ist. Nicht aber für Christina. Um diese wunderschöne Säure und moderaten Alkohollevel beizubehalten, braucht es Auge und Sensibilität für den Lesezeitpunkt. Christina ist ein Superprofi. Sie weiß genau, wann zu Ernten ist um die maximale Energie aus ihren Trauben zu bekommen. Deshalb ist es so wichtig, dass sie stets ein Auge auf ihre Lieblinge wirft. Krankheiten sind hier nicht das ganz große Problem. Es fiel ihr umso leichter auf biologische Landwirtschaft umzustellen. Gesunde Trauben sind der wichtigste Faktor bei der Herstellung von Naturweinen.

Unser Fazit

Wir bei forever thirsty sind total verliebt in ihre Weine. Sie bieten einen fantastischen Einstieg in die Welt des Naturweines. Ihre Weine sind unkompliziert demokratisch und keineswegs langweilig. Frisch und frech sind sie perfekt für das tägliche Gläschen Wein (oder zwei) und verbreiten Freude im Glas. Kein Wunder, dass Christina international so viel Begeisterung weckt. Probiert es aus, Happiness in a glass!

Weninger

Weninger zählt zu den besten Blaufränkisch-Pionieren Österreichs. In zweiter Generation leitet Franz Weninger ein Weingut, welches durch eine Ländergrenze geteilt wird: Rebflächen und Weinkeller werden bei Weninger in Österreich sowie in Ungarn bewirtschaftet. Entschieden nach biodynamischen Richtlinien und ohne Hilfsmittel im Keller. So wenig Maschinen wie möglich. Ein bewusstes Zurückbesinnen auf traditionelle Ausbaumethoden, weg von heutigen industriellen Standardweinen voller Zusatzstoffe und Schönungsmittel.

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Petra und Franz in ihren Weinbergen

Mit Blaufränkisch kennt man sich aus bei Weninger

Das Weingut Weniger befindet sich ganz im Osten Österreichs am Neusiedler See in Horitschon, direkt an der ungarischen Grenze. Die Weinberge auf der österreichischen Seite liegen im Burgenland und die auf ungarischer Seite im beschaulichen Örtchen Balf bei Sopron. Auf beiden Seiten der Grenze befindet sich jeweils ein Keller zum Ausbau der Weine. Somit besteht das Weingut Weninger quasi aus zwei Weingütern. Geleitet von einem Chef, Franz Weninger, bewirtschaftet nach den gleichen biologischen und biodynamischen Ansätzen.

Obwohl man sich bei Weninger voll und ganz auf Blaufränkisch von höchster Qualität konzentriert, wird heute auch Zweigelt, St.Laurent, Merlot, Pinot, Welschriesling und Sauvignon Blanc angebaut. Neben Junganlagen werden auch alte Reben bewirtschaftet, ganz nach dem biodynamischen Gedanken, auf Kalk, Lehm, Glimmer und Gneis. Angebaut wird auf sechs verschiedenen Lagen mit entsprechend unterschiedlichen Böden und Mikroklima.

Die Naturweine von den Weningers:

Franz Weniger Gründungsmitglied von respekt-BIODYN

Bereits 2005 stellte Franz Weniger (Senior) den gesamten Betrieb auf eine biologische Erzeugung um. Er war damit einer der ersten Betriebe überhaupt im Burgenland. 2012 übernahm dann sein Sohn (ebenfalls Franz, der Junior) die Verantwortung. Er wagte den nächsten Schritt und stellte den Betrieb an entscheidenden Stellen um: Die Weinberge von Weninger wurden fortan nach biodynamischen Richtlinien bewirtschaftet und man wurde Mitglied von respekt-BIODYN. Im Keller setze man auf Spontangärung und verzichtete auf Filtrierung sowie Schönungsmittel.

Die Respekt-Gruppe ist ein Verband aus 23 Mitgliedern, die sich den strengen biodynamischen Richtlinien der respekt-BIODYN Auflagen verpflichten. Ähnlich wie dem Demeter-Verband, allerdings speziell nur für Winzer, verpflichten sich alle Betriebe nach biologischen EU-Kriterien zu arbeiten und zusätzlich nach den Lehren Rudolf Steiners zu wirtschaften. Franz Weninger zählt 2007 dabei zu den Gründungsmitgliedern der Respekt-Gruppe. Mittlerweile haben sich über 26 Spitzenbetriebe aus Österreich, Deutschland, Ungarn und Südtirol bei respekt-BIODYN eingeschrieben. Weine der Vereinigung erkennt Ihr immer an dem runden respekt-BIODYN Logo auf dem Rückenetikett der Weinflaschen.

Biodynamischer Tee stärkt die Pflanzen auf natürliche Weise

Bei Weniger gibt es: Kékfrankos und Blaufränkisch

Die unmittelbare Nähe zu Ungarn, dessen Weinhistorie und Entdeckungs-Potential hatten bereits für Vater Franz eine besondere Anziehungskraft. So bewirtschaftete er bereits 1992 in Villány einige Weinberge mit großem Erfolg. Die Weine zählten zu den besten Ungarns und die Weinliebhaber in Budapest waren stolz auf die Tropfen ihres Landes – fernab vom Standard-Tokajer. 1997 bekam die Familie letztendlich die Chance zum Kauf von 24 Hektar Weinberge, ganz in der nähe ihres österreichischen Weingutes, aber auf ungarischem Territorium. Die Familie überlegte nicht lang und entscheid direkt nach erster Besichtigung die Weinberge zu kaufen. Mit einem wunderschönen Blick auf den natürlich belassenen Neusiedler See wird neben Merlot, Syrah, Pinot Noir, Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc und Fehérburgundi (Pinot Blanc) hier ebenfalls Kékfrankos angebaut. Noch nie von der Rebsorte gehört? Kékfrankos ist eigentlich nur die ungarische Bezeichnung für Blaufränkisch.

Entsprechend sind die Weine von Weninger hochinteressant. Natural Blaufränkisch in absoluter Perfektion kann man hier von verschiedenen Weinbergen probieren. Die Weine zählen seit Jahren zu den Besten Österreichs und gelten, gerade wenn es um Blaufränkisch geht, als Messlatte für andere Weingüter. Ebenso überzeugen die Weninger Weine von ungarischer Seite: Auch hier zählen sie zu den besten Tropfen, die derzeit in Ungarn hergestellt werden und dürften gerade für Experten neu und aufregend sein. Aber auch für Neuentdecker hat Weninger einiges zu bieten. Die Weine aus dem Einstiegs-Sortiment von Weninger schmecken wundervoll elegant und eigenen sich durch ihr unkompliziertes Auftreten bestens auch für Neulinge in der Naturweinwelt.

Chemie sieht man bei Weninger nicht, natürliche Pflanzenschutzmittel sind die Devise

Rage against the machine

Mit der Aktion “Rage against the machine” startete Weninger 2018 nach einer ausgearteten Online-Diskussion eine Initiative, die sich für eine Lese per Hand einsetzt. Es schlossen sich zahlreiche Winzer*innen dieser Initiative an und positionierten sich entschieden gegen eine Lese per Maschine. Weninger und die mitmachenden Winzer*innen sind überzeugt davon, dass nur eine Lese per Hand eine hochwertige Weinqualität entstehen lassen kann. Die Lese mit modernen Maschinen zeigt, laut Herstellern, mittlerweile wohl gute Leseergebnisse, dennoch kann man die Auswirkungen auf die Bodenstruktur nicht einfach so vernachlässigen.

Durch das hohe Eigengewicht der Vollernter entsteht ein starker Druck auf den Boden und es kommt zu Verdichtungen. Ein lebendiger Boden ist somit nicht mehr möglich – aber ein unglaublich wichtiges Kriterium für Weine von hoher Qualität. Des Weiteren ist die Lese per Hand fester Teil der Kultur der Winzer. Eine Lese per Hand hat Tradition und ist der Standard, den eigentlich auch die Konsument*in von ihren Weinen erwartet. Leider ist die Handlese heute oft nicht mehr der Standard und nur noch bei Spitzenweinen zu finden. Übrigens: Bei Forever Thirsty ist die Handlese ein unabdingbares Kriterium zur Aufnahme in unser Sortiment.

Unser Fazit

Die Weine von Franz sind einfach besonders: Was er hier aus dem tollen burgenländischen und ungarischen Terroir rausholt, sucht seinesgleichen. Ob die sanften und runden Einsteigerweine oder doch ein etwas anspruchsvoller Blaufränkisch/Kékfrankos aus einer der Spitzenlagen – für jeden Geschmack ist etwas bei Weninger dabei. Noch dazu alles in Handarbeit hergestellt. Also: Rage against the machine! Drink Weninger!

rennersistas

Biodynamische Landwirtschaft. Spontangärung. Ohne Eingriffe im Keller, somit keine Filtration und keine Zugabe von Schwefel. Bei rennersistas selbstverständlich. Als Mitglied im biodynamischen Demeterverband und der PANNOBILE Gruppe bringen die zwei Schwestern Susanne und Stefanie, nun verstärkt durch ihren Bruder Georg, in dritter Generation feinste Naturweine auf die Flasche.

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Ommmmm bei den Rennersistas

Susanne und Stefanie: Die rennersistas

Im wunderschönen Örtchen Gols, direkt am Neusiedler See, liegt das Weingut rennersistas. Im Osten Österreichs, nur etwa eine Stunde Autofahrt entfernt von Wien, arbeitet hier die gesamte Familie Renner an einer Vision. Eine Vision von biodynamischer Landwirtschaft kombiniert mit einem naturbelassenen Ausbau im Keller und der Erfahrung von drei Generationen. Denn um diese Vision umzusetzen, mussten auch familiäre Hürden überwunden werden: Nicht selten kommt es beim Generationenwechsel in Weingütern zu Unstimmigkeiten. Die Eltern haben oftmals andere Vorstellungen für die Zukunft als deren Kinder und die Weitergabe scheitert oder gestaltet sich sehr schwierig. Aber nicht so im Hause Renner. Hier arbeiten mittlerweile drei Generation erfolgreich zusammen und bilden mit ihrer Erfahrung den festen Anker des Weingutes.

Bereits 1988 übernahmen die Eltern, Birgit und Helmuth, den Hof und nannten ihn Weingut RENNER. Einige Jahre später, genauer in 2015, kamen dann die Töchter Susanne und Stefanie zum Zuge. Allerdings hatten die zwei Schwestern eine grundverschiedene Herangehensweise an den Ausbau vom Wein der Zukunft. So kam man zur optimalen Lösung, indem der Betrieb fortan zweigleisig arbeitete: Weingut RENNER und die separaten Weine der rennersistas. Beide Generationen konnten weiterhin Wein produzieren, ganz nach ihren Ideen und Herangehensweisen und dennoch blieb man ein Weingut, ein Familienweingut. Eine Idee die zum Erfolg wurde und bis heute noch so besteht. Denn 2020 kam sogar noch erfolgreich die dritte Generation mit Bruder Georg hinzu. Er bringt sich bei RENNER und rennersistas mit ein und machte den Familienbetrieb somit perfekt.

Die Naturweine von den Rennersistas:

Biodynamische Landwirtschaft – gesunde Böden durch saftige Begrünung

Mittlerweile bewirtschaftet das Weingut RENNER & rennersitas über 12 Hektar Weinberge von höchster Qualität. Bereits 2012 erfolgte durch die Eltern, Birgit und Helmuth, die Umstellung zum ökologischen Weinbau. 2018 wagten dann Susanne und Stefanie nach intensiver Auseinandersetzung mit den Lehren Steiners die Umstellung auf absolut höchste Qualität. Alle Weinberge wurden fortan biodynamisch bewirtschaftet und man wurde Mitglied des biodynamischen Verbands Demeter. Damit einher geht ein erheblicher Mehraufwand in den betrieblichen Prozessen: Es werden die Feldpräparate wie Hornmist (500) und Hornkiesel (501) ausgebracht, ein intensives Auseinandersetzen mit Kompost und den Kompostpräparaten wird von der Winzer*in verlangt. Ein Mehraufwand, der sich nicht nur positiv auf den Geschmack der Weine auswirkt, sondern auch unglaublich wichtig für die Zukunft unseres Planeten ist. Spitzenweine können ausschließlich von Weinbergen mit gesunden Böden kommen. Begrünte und gesunde Weinberge sind dementsprechend unabdingbar für den Humusaufbau und gesundes Bodenleben.

Auch ein Mehraufwand, der unglaublich präzisen, spannenden Wein hervorbringt. Der notwendig ist für eine saubere Spontanvergärung und einem erlaubt, auf jegliche Behandlungsmittel im Keller zu verzichten. Gleichzeitig wichtig ist für die CO2-Bilanz der Weinberge. Nur durch begrünte Weinberge können wir es schaffen, die CO2-Bilanz und Nachhaltigkeit der Weingüter zu verbessern. Genau dies meistern RENNER & rennersistas mit Bravour.

Die Weinberge am Neusiedler See

Die Weinberge liegen allesamt direkt um Gols verteilt. Auf den Lagen Altenberg, Schafleiten, Goldberg, Gebühl und Ungerberg werden alle Reben nach biodynamischen Richtlinien bewirtschaftet. In den Sommermonaten explodiert die Begrünung in den Weinbergen. Ein Spektakel, das guten Wein auszeichnet. In den Weinbergen selbst werden neben roten Rebsorten wie Zweigelt, Blaufränkisch, Merlot, Pinot Noir und St. Laurent, die vor allem von Vater Helmuth angelegt wurden, auch weiße Rebsorten bewirtschaftet. Also zum Beispiel Welschriesling, Chardonnay, Grüner Veltliner, Muskat, Weißburgunder, Grauburgunder oder Gewürztraminer.

„Biodynamisch nach Demeter. Sanfter Rebschnitt. Biodiversität und standortangepasste Begrünung. Lebendige Weine. Handarbeit. Spontanvergärung. Handlese. Ausreichend Zeit in Holz- oder Tongebinden. Keine Filtration, keine Schönung. Feinhefe statt Schwefel. Weglassen statt Hinzufügen. Begleiten statt Intervenieren.“

Und auch im Keller arbeiten die rennersistas ganz im Sinne der natürlichen Weinherstellung. Ausgebaut werden die Weine in großen wie kleinen Holzfässern oder Amphoren. Chemische Behandlungsmittel, die den Wein in seiner Eleganz schwächen und eigentlich nur dazu dienen, schlechte (Weinbergs)arbeit zu übertünchen, sucht man hier vergeblich. Es werden absolut keine Behandlungsmittel eingesetzt. Es wird weder filtriert, noch wird Schwefel hinzugesetzt. Um diese Stilistik erfolgreich zu meistern, müssen absolut beste Voraussetzungen im Weinberg geschaffen werden. Es gilt die pH-Werte der Trauben durch gezielte Bodenbewirtschaftung und eine frühere Lese zu senken. Denn nur durch niedrige pH-Werte lässt sich ein Wachstum von unerwünschten Bakterien im Wein verhindern. Durch die frühere Lese kommen auch gänzlich andere Aromen im Wein zum Vorschein. Die Weine werden frischer und knackiger, haben mehr Trinkfluss und begeistern durch eine straffe Säure.

Außerdem versuchen die rennersistas möglichst jegliche Pumpvorgänge im Keller zu unterlassen. Die Idee dahinter ist, den Kontakt mit Maschinen auf ein absolutes Minimum zu senken. Denn jeder einzelne Pumpvorgang eines Weines bedeutet immer, dass Scherkräfte auf den Wein einwirken. Ein Vorgang, der sich absolut negativ auf die Aromakomplexität der Weine auswirkt. Bei rennersistas versucht man dem vorzubeugen, indem man auf Schwerkraft setzt. Holzfässer oder Amphoren werden über Gabelstapler angehoben und allein durch die Schwerkraft entleert. Ein nächster Schritt in der Kellerwirtschaft, den es heute bisher noch nicht allzu oft gibt.

Perfekt reife Trauben bei der Ernte

Gols als Hauptstadt des Burgenland Weines durch PANNOBILE

Das Weingut RENNER zählt zu den Gründern der PANNOBILE Gruppe von 1994. Idee der Gruppe war und ist es bis heute, die Region mit dessen Böden und Klima auf eine moderne Sicht widerzuspiegeln. Fernab vom Parker-Idealgedanken der 90er Jahre, durch den immer mehr Weine mit internationale Rebsorten hergestellt, geprägt von Barrique zu vollmundigen undalkoholreichen Tropfen ausgebaut wurden und damit bei Parker im Ranking hohe Punkte einsammelten. Ein Leitbild, an dem sich viele Weingüter orientieren und ihre Produktion umstellen. Die Mitglieder der PANNOBILE wollten genau diesem Gedanken entgegenwirken und ihren eigenen Stil verwirklichen. Es galt, den bestmöglichen Wein herzustellen und einen einzigartigen Stil, den Stil der Region um Gols, zu schaffen.

Unser Fazit

Bei rennersistas wird es einem beim Verkosten definitiv nicht langweilig. Es laden spannende frische Rotweine, die eine komplette neue Generation im österreichischen Weinbau widerspiegeln, ebenso ein, wie unglaublich verrückte, aber dennoch präzise Weißweine, deren Aromatik einen zum schmelzen bringen und zum nachdenken anregen. Wir sind restlos überzeugt und freuen uns seit jedes Jahr auf die neuen Weine. Ein Hoch auf die rennersistas!

NIBIRU

NIBIRU klingt nach einer fantastischen Märchenwelt wie Narnia. Wir wollen durch die versteckte Tür in diesen Raum voll von Neuem eintreten und die Welt dahinter entdecken. Sie verspricht neue Gerüche und Geschmäcker die uns verzaubern und überraschen. Hinter stecken die Komponisten Julia Nather und Josef Schenter – seit 2015 komponieren sie gemeinsam biologische Weine.

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NIBIRU: Ein Universum für sich

Der Name NIBIRU steht tatsächlich nicht nur für eine kleine Märchenwelt, sondern für einen ganzen Planeten: Der Planet NIBIRU durchwandert nur alle 3 600 Jahre unser Sonnensystem. Der seltene Gast ist dabei der einzige Planet, der einfach alles andersrum macht und in entgegengesetzter Richtung um die Sonne wandert. Der Name bringt natürlich gewisse Erwartungen an einen Wein: entgegen der Norm, eine Querulant und auf keinen Fall wie die Anderen. Diese Erwartung wird auf jeden Fall erfüllt wenn ihr eine Flasche NIBIRU öffnet! Niedriger Alkohol, feines Holz, schlanke Tannine – PLOPP! CHIN CHIN !

Blick auf die Weingärten von NIBIRU

Die Bahnen des Planeten NIBIRUS

Das Weingut, in welchem Julia Nather und Josef Schenter ihre Weine ausbauen, gehört Josef’s Eltern und liegt im nördlichen Kamptal in Österreich. Die Rebstöcke der Weinberge der beiden sind teilweise sehr alt, die Wurzeln gehen tief in die Erde und zaubern Trauben mit erstaunlicher Struktur hervor. Ältere Rebstöcke erfordern oft mehr Arbeit und der Rebschnitt ist anstrengender als bei jungen Reben. Außerdem ist der Ertrag oft geringer. NIBIRU geht es jedoch darum qualitative und spannende Weine zu produzieren – das ist ihnen jeden Aufwand wert.

Josef arbeitete schon als kleiner Junge im elterlichen Weingut mit. Danach machte er zunächst eine Winzerausbildung und bildete sich mit einigen Auslandserfahrungen auf Weingütern in aller Welt weiter. Schlussendlich entwickelte sich aber bei ihm doch der Wunsch, seinen eigenen Wein zusammen mit seiner Julia, seiner Partnerin in Crime, zu produzieren. Julia pendelte vom Obstbau, wo sie eine Ausbildung absolvierte, zum Hotelfach und dort zum Fine Dining. Anschließend absolvierte sie eine Sommelierausbildung und entwickelte dadurch Passion und Wissen für und über Wein – warum also keinen eigenen Wein ausbauen?

Die unglaublichen Naturweine vom Planeten NIBIRU:

NIBIRU #NOFILTER

Das Schöne an Naturwein ist, dass eigentlich jeder dieser Weine unterschiedlich und individuell ist. Dank des Verzichts auf Schönungmittel und übermäßige Schwefelung. Schönungsmittel machen die Weine alle uniform. Sie schmiegen sich an die Aromamoleküle, verschlucken diese und werden danach mit feinsten Filtern dem Wein genommen. Der Wein wird arm an Struktur und Aromen. Genauso zu große Schwefelmengen, die aus dem Wein jeden Funken an Leben löschen. Bei den Naturweinen ist deshalb eigentlich jeder Wein ein Rebell und bewahrt seinen Eigensinn. Das Winzerpaar von NIBIRU verzichtet deshalb auch auf jede fremden und künstlichen Zusätze sowie Behandlungsmittel. Die natürlichen Hefen des Kellers und der Weinberge formen den Wein, welcher mit geringen Schwefelzugaben stabilisiert wird. Die Weine von NIBIRU zeichnen sich durch Frische und Frucht aus und außerdem ziemlich geringe Alkoholwerte. Julia und Josef arbeiten viel mit Ganztraubenpressung und Hefelager – dies macht die Weine rund und bewahrt sie vor zu kantigen Tanninen.

“Für uns ist es einfach enorm, wie schnell sich die Natur regeneriert und in der Lage ist, innerhalb kürzester Zeit zu einer großen Artenvielfalt zurückzufinden. Seitdem wir das Weingut von konventionellem auf biodynamischen Anbau umgestellt haben, konnten wir große Veränderungen in Bezug auf langfristige Nachhaltigkeit und Artenvielfalt, aber auch Bodenfruchtbarkeit, beobachten.”

Gut Ding will Weile haben

Naturwein ist nicht einfach so direkt da. Für einen Wein nach biologischen oder biodynamischen Richtlinien, einen Naturwein, einen Wein ohne Zusätze benötigt man perfekte Trauben. Dafür benötigt man wiederrum einen gesunden Weinberg. Für die beiden Weinmacher von NIBIRU lag jedoch zu Beginn ihres Schaffens ein konventioneller Betrieb vor. Dies wiedersprach natürlich dem Wunsch, naturbelassenen Wein zu machen und nachhaltig und ökologisch zu arbeiten, den die beiden jedoch von Anfang an hatten. Die Umstellung von konventionell auf biodynamisch benötigt ihre Zeit. Der Boden muss sich erholen, die Insekten zurückkehren und die Rebe muss sich anpassen und sich wieder selbst gegen Schädlinge und Pilze wehren. Julia und Josef sahen den Weg dahin jedoch als sehr lehrreich an und nötig um die Prozesse der Natur besser zu verstehen.

NIBIRU’s Sortiment – Less is more

Das Weingut NIBIRU baut die für das Kamptal typischen, heimischen Rebsorten an: Grüner Veltliner und Riesling. Auch typisch für das Kamptal ist der Frührote Veltliner. Wie der Name es schon sagt, ist dies eine Kreuzung zwischen Silvaner und rotem Veltliner, etwas früher reif als der normale Veltliner. Weine aus dieser Rebsorte präsentieren sich als besonders mild und alkoholarm. Außerdem hat NIBIRU auf der roten Seite einige Weinberge mit dem immer häufiger auftretenden Zweigelt und dem Blauen Portugieser. Die Auswahl an Rebsorten bei NIBIRU ist angenehm überschaubar und kreiert dennoch ein spannendes Sortiment.

Idylle im Weinberg bei NIBIRU

NIBIRU im Kamptal

Wer Naturwein und Österreich hört denkt immer zunächst an Gols und den Neusiedlersee – doch auch das Kamptal präsentiert eine spannende Szene. Mathias Warnung, Fred Loimer und Johannes und Sandra Hirsch sind beispielsweise neben NIBIRU dort ansässig. Das Zentrum des Kamptals ist der Ort Langenlois – hier ballen sich die Weinberge. Ganz in der Nähe plätschert der Namensgeber, die Kamp entlang. Das Kamptal hat eine Fläche von 3. 800 Hektar und gehört damit zu den eher größeren Gebieten in Österreich. Insgesamt hat Österreich eine Weinbaufläche von circa 48700 Hektar. Die Hektar in Kamptal teilen sich auf 823 Betriebe auf. Die Böden dort sind Löss- und Lehmböden, manchmal Schotter, manchmal Sandstein und teilweise Urgestein. Je nach Exposition, Höhenlage und Boden der Weinberge präsentieren sich auch die Weine des Kamptals mit sehr individuellen Charakteristiken. Die Südhänge eigenen sich besonders für den Anbau von Riesling und Grünem Veltliner. Klimatisch profitiert das Kamptal von dem heißen, pannonischem Klima im Osten und dem eher kühleren Klima im Westen. Die entstehenden Winde sorgen für Frische im Wein und gesunde Trauben. Die Differenz der Temperatur am Tag zur Nacht ist ebenfalls sehr wichtig und erzeugt pointierte Aromen und eine frische Säure.

NIBIRU – Die Weine

Was Julia und Josef hier auf die Flasche bringen, ist faszinierend. Sei es der NIBIRU Weiß, eine Cuvée aus ihren Weißweinsorten, die mit einer nahezu unmenschlichen Frische daherkommt. So viel Spaß im Glas, perfekt für die lauen Sommerabende auf der Terrasse. Oder der NIBIRU Rot, das direkte Pendant, Knackige rote Früchte, wenig Tannin. Unglaublicher Trinkfluss. Im Sommer, nein eigentlich immer, leicht angekühlt genießen. Oder Ihr Riesling Alte Reben. Reife gelbe Früchte und Apfel gepaart mit der für Riesling so typischen Säure. Einfach fantastisch.

Unser Fazit

Wer die Weine von NIBIRU, also Julia und Josef, noch nich kennt, sollte sie probieren. Selten haben wir aus dem Kamptal so tolle Weine im Glas gehabt. Und das alles zu sehr fairen Preisen. Werden bei ihren Nachbarn und Kollegen gerne mal hohe zweistellige Beträge pro Flasche verlangt, sind diese Weine ein echtes Schnäppchen, die das Terroir und den Stil des Kamptals wunderbar wiederspiegeln. Wir bei Forever Thirsty lieben die Weine. Ihr werdet es sicher auch!

Judith Beck

Biodynamisch, natürlich, extravagant und wild und trotzdem manchmal klassisch und edel – Judith Becks Weine sind alles, was man sich von einem Wein wünschen könnte. Sie leben von der Passion, die die Winzerin in den Weinberg hineingibt und die in den Trauben ihre Früchte trägt. Ihre Weine sind mal laut mal leise, mal Krawall, mal Randale und vor allem immer out of convention. Ihr ungestümer Koreaa, ein gemischter Satz, sitzt neben Bambule, wild und rebellisch, daneben stehen die Panobile Weine, edel und schön!

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Judith Beck sortiert die Trauben direkt nach der Ernte

Becks Biodynamik

Das österreichische Weingut Judith Beck liegt in Gols am Neusiedlersee. Fährt man nach Gols hinein, muss man erstmal durch den Ort hindurch fahren, denn ganz am Ende befindet sich das Weingut, das so ganz anders als die anderen daherkommt. Es empfängt einen eine coole, aufgeschlossene, fröhliche und straighte Judith Beck, ihre Kinder wuseln herum – die Atmosphäre stimmt. Judith Beck übernahm die Leitung das Familienweingut 2004 – mit von der Partie ist auch ihr Partner in Crime Uli Leitner, der übrigens nebenher auch noch das ganz hervorragende Ulrich Pale Ale braut. Judith Beck ist eine der neun Pannobile Winzer*innen aus Gols und ist auch Teil der Gruppe respekt-BIODYN.

Beck, Beck, Beck. Naturweine eben:

Judith Becks Prinzipien: Mengenreduktion, Holzeinsatz und Minimalismus!

Das Weingut Judith Beck ist ein Vorzeigebetrieb was Biodynamik angeht: Judith war es von Beginn an wichtig, mehr im Einklang mit der Natur und in der Natur zu arbeiten als andere Winzer*innen es tun. Auch setzt sich für Biodiversität und Nachhaltigkeit ein. Ihre 20 Hektar blühen im Frühjahr, überall ist bunte Begrünung, die Reben saugen den natürlichen Dünger auf und tragen perfekte Frucht. Man sieht wie der fruchtbare Boden aufatmet, die Mikroorganismen arbeiten und hört die Insekten schwirren. Schon von Beginn an hat Judith Beck den Weg der Biodynamiie, nach der Lehre von Rudolf Steiner eingeschlagen, seit 2009 ist sie auch zertifiziert.

„INTERNATIONALEN STIL KANN JEDER ÜBERALL MACHEN. WEINE WIE MEINE NUR ICH, HIER UND JETZT. UND DAS IST FÜR MICH DAS SCHÖNSTE, WAS ES GIBT. WIE MEIN LEBEN IN DEN REBEN.“

Judith Beck

Beck macht Krawalle und Randale

Die vielfältigen Böden, von Schotter zu Lehm über Sand und Kalk, machen ein Sortiment möglich, in welchem jede Flasche eine neue Überraschung bereithält. Beck konzentriert sich dabei auf die heimischen Rebsorten Blaufränkisch, St Laurent und Zweigelt (70%) und weiße Sorten wie Weißburgunder, Chardonnay, Neuburger, Traminer und Muskat. 

Die Weine von Judith Beck, besonders die Bambule Reihe, haben „Krawalle und Randele” in sich, so Beck. Wilde Weine also, oft maischevergoren, ohne SO2 in die Flasche, keine Filtration – Weine so wie die Natur sie entstehen und werden lassen möchte – pur und faszinierend, fehlerfrei. Das Sortiment ist eine Achterbahnfahrt – im Positiven Sinne!  

Die Lagen

Kaum stand man auf Schotter, steht man plötzlich schon auf Sand. Eines der Besonderheiten am Neusiedlersee sind die verschiedenen Böden, die eine große Sortenvielfalt möglich machen. Die Parndorfer Platte, ist ein von der Eiszeit geprägtes Schotterplateau von erheblichem Ausmaß – 200 km² weit erstreckt sich die Ebene im nördlichen Burgenland. Zum Neusiedlersee hin fällt die Platte in steilen Terrasse ab. Der Boden der Parndorfer Platte ist durchlässig, hier ist es etwas kühler und windiger. Perfekt für St. Laurent, Pinot und Zweigelt. An die Parndorfer Platte schließen im Südwesten sandig-lehmige, schwere Böden an. Hier gefällt es besonders dem Blaufränkisch gut. Die ebenen Lagen im Seewinkel sind besonders gefällig für Weißweine und Zweigelt. 

Apropos Weißwein. Sandige Böden und das warme Klima führen immer öfter dazu, dass die Weißweine etwas unter Säuremangel leiden. Judith Beck steuert dem entgegen, indem sie den Weißweinen durch etwas Schalenkontakt mehr Struktur und Spannung verleiht. Zudem arbeitet sie akribisch im Weinberg mit viel Blattüberhang – so werden die Trauben vor der Sonne geschützt und behalten sich mehr natürliche Säure.

Judith Beck und die Pannobile

Judith Beck ist eine der neun Pannobile Winzer*innen vom Neusiedlersee in Österreich, die sich zusammengetan haben, um ihre heimischen Rebsorten zu wahren und daraus gebietstypische Weine mit internationalem Ansehen zu produzieren. Dies ist eine Reaktion auf die vielen neuen, angesagten Rebsorten, die angebaut werden und damit die Traditionellen verdrängen. Pannonien ist eine alte Bezeichnung für die Region in Österreich um Gols herum, nobile steht für edel. Edel sind auch die Weine dieser neun Betriebe, jedoch nicht nur das: Die Hänge von Gols über dem Neusiedlersee von Österreich liegen in sonnenexponierter Lage. Hinzu kommt das pannonische Klima, geprägt von heißen Sommertagen und kalten Wintern und Nächten. Daraus ergibt sich genau die Mischung aus Frucht und Frische die man sich wünscht. Eine echte Erfahrung ist der Pannobile-Tag, bei welchem alle neun Weingüter mit einem Shuttelbus untereinander erreichbar sind und man die verschiedenen Weine probieren kann. 

Judith Beck und die Respekt Gruppe

Zusätzlich ist Judith Beck in der Respekt Gruppe, welche für nachhaltige Bewirtschaftung und Verantwortung gegenüber der Natur steht und das Ziel hat durch biodynamische Bewirtschaftung mehr Typizität und Ausdruck zu erlangen. In der Gruppe sind derzeit 23 Weingüter, welche sich auf Deutschland, Österreich und Südtirol erstrecken. Die Inhalte der Gruppe sind nicht nur die biologisch-dynamische Landwirtschaft, sondern alles, was eine nachhaltige Gesellschaft ausmacht. Dazu gehört also auch soziale, ökonomische und ökologische Nachhaltigkeit.  

Unser Fazit

Judith’s Weine sind einzigartig, genauso wie sie selbst. Aus tiefer Überzeugung und mit bewundernswertem Handwerk schafft sie es, Weine auf die Flasche zu bringen, die so ganz sie selbst sind. Und das Terroir des Neusiedler Sees wiederspiegeln. Seien es die etwas klassischeren, trinkigeren Weine oder ihre Bambule Linie. Was alle diese Weine vereint, ist ihre Trinkigkeit, Eleganz und Tiefgründigkeit. Wir sind sehr stolz, Judith Beck und ihre Weine bei uns im Shop zu haben. Probieren ist ein Muss!

Andreas Gsellmann

Andreas Gsellmann lädt ein, zu Tisch zu kommen, um gemeinsam zu genießen. Das Symbol seiner Etiketten sind Hände. Die nach oben geöffnete Hand wirkt einladend. Sie symbolisiert aber auch etwas Schöpferisches. Als würde er einem sein Wein, welchen die Erde erschaffen hat und welcher von ihm geschöpft wurde, präsentieren. Gsellmann reicht einem die Hand – für eine Reise in seine Weinwelt. Eine Weinwelt erschaffen, indem er der Natur die Hand gereicht hat. Die Weine präsentieren Gols, wie schwach auf der einen Hand geschrieben steht und sie präsentieren Gsellmanns Idee: Eines respektvollen, ganzheitlichen Arbeitens im Einklang mit der Natur.

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Andreas Gsellmann in seinen Weinbergen

Zu Tisch bei einem Biodynamiker

Familie Gsellmann lebt in einem urigen Hof. Hinten im Garten streunen Hühner herum. 2005 stieg Andreas Gsellmann in den Betrieb seines Vaters mit ein, welcher damals schon biologisch arbeitete. Andreas wollte jedoch noch mehr. Sein innerer Drang war wirklich mit der Natur Hand in Hand zu arbeiten – nicht nur von ihr zu nehmen, sondern ihr zu geben. Andi Gsellmann war inspiriert von den Ideen der Biodynamie, die ihn besonders der Pionier Dr. Andrew Lorand näher brachte, einem Botschafter der biodynamischen Lehre Rudolf Steiners. Gsellmann fing an, seine 19 Hektar Boden mit Kompost und Hornkiesel zu nähren, die Weine natürlich vergären zu lassen und sie ohne Filtration schonend in die Flasche zu bringen.

Das Produkt sind ausdrucksstarke und abwechslungsreiche Weine. Gsellmanns Betrieb ist nun schon seit 2011 biodynamisch zertifiziert. Die Weine von Gsellmann entstehen durch Vergärung auf der Maische, durch Holzkontakt und Lagerung auf der Feinhefe. Oft macht er dabei eine wilde Assemblage aus den typischen österreichischen Rebsorten wie Blaufränkisch, St. Laurent und Zweigelt oder auf weißer Seite Scheurebe, die Burgundersorten und Traminer. Der Drehverschluss mag den Korkenliebhaber abschrecken – muss er aber nicht! Die Weine überzeugen in jedem Fall.

Die Weine von Andreas Gsellmann:

“In meiner Weinbereitung suche ich danach, die Natur zu begreifen. Es geht mir darum, ein gesundes Gleichgewicht von Geben und Empfangen zu finden – durch das händische Formen, achtsame Pflegen und nachhaltige Gestalten der Landwirtschaft.”

Andreas Gsellmann

Gsellmann lebt den Grundgedanken hinter der Biodynamie: Die Gesamtheit der Welt ist ein Kreislauf – und der Mensch hat diesen zunächst einmal unterbrochen. Ist eines der Elemente in diesem Kreislauf krank, bricht dieser komplett zusammen. Dies ist die Idee der biodynamischen Lehre. Gsellmann lebt diese Idee, indem er die Weinreben und den Boden mit natürlichen Mitteln gesund hält und sie stärkt und dadurch auf positive Art und Weise Teil des Systems
wird. Seine Prinzipien sind Handarbeit, Achtsamkeit, Finesse. Die Produkte einer gesunden Natur stärken gleichzeitig den Menschen – Gsellmann bäckt sein eigenes Brot, isst das Gemüse aus seinem eigenen Garten und kocht die Eier seiner eigenen Hühner. Durch seinen achtsamen und respektvollen Umgang mit der Natur bringt Gsellmann sich sinnvoll in den Kreislauf der Erde mit ein und kann dadurch leckere Produkte genießen – so wie wir seine Weine genießen dürfen.

Gsellmann und die Pannobile

Gsellmann ist wie Judith Beck Mitglied in der 9-köpfigen Pannobile und auch der respekt-BIODYN Gruppe. Sein Vater war einer der Mitbegründer der am Neusiedlersee heimischen WinzerInnenvereinigung Pannobile. Damit zählt das Weingut Gsellmann zu jenen, die das Weinbaugebiet um Gols herum und seine heimischen Rebsorten vor dem Aussterben bewahren wollen.

Viele WinzerInnen wollen mehr und mehr die internationalen, auf dem Markt angesagten Rebsorten anbauen. Was die Pannobile WinzerInnen aber eint ist der respektvolle Umgang mit der Natur, das Streben nach Nachhaltigkeit und das Ziel von höchster Qualität. Pannonien ist eine alte Bezeichnung für die Region in Österreich um Gols herum, nobile steht für edel. Edel so sind auch die Weine dieser neun Betriebe, jedoch nicht nur das. Die Hänge von Gols über dem Neusiedlersee von Österreich, liegen in sonnenexponierter Lage.

Hinzu kommt das pannonische Klima, geprägt von heißen Sommertagen und kalten Wintern und Nächten. Daraus ergibt sich genau die Mischung aus Frucht und Frische die man sich wünscht. – Eine Erfahrung dazu ist der Pannobile-Tag, bei welchem alle neun Weingüter mit einem Shuttelbus untereinander erreichbar sind und man die verschiedenen Weine probieren kann.

Weingut Gsellmann: Hier kann man die wunderbaren Weine verkosten

Gsellmann und die Respekt Gruppe

Zusätzlich ist Gsellmann in der Respekt Gruppe, eine Gruppe welche für nachhaltige Bewirtschaftung und Verantwortung gegenüber der Natur steht und das Ziel hat, durch biodynamische Bewirtschaftung mehr Typizität und Ausdruck zu erlangen. In der Gruppe sind derzeit um die 23 Weingüter, welche sich auf Deutschland, Österreich und Südtirol erstrecken. Die Inhalte der Gruppe sind nicht nur die biologisch-dynamische Landwirtschaft, sondern alles, was eine Nachhaltige Gesellschaft ausmacht. Dazu gehört also auch soziale, ökonomische und ökologische Nachhaltigkeit. Mehr dazu könnt ihr hier lesen: Gemeinschaft – respekt-BIODYN | biodynamischer Wein.

Weingut Gsellmann: Lagen

Kaum stand man auf Schotter, steht man plötzlich schon auf Sand. Eines der Besonderheiten am Neusiedlersee sind die verschiedenen Böden, die eine große Sortenvielfalt möglich machen. Die Parndorfer Platte ist ein von der Eiszeit geprägtes Schotterplateau von erheblichem Ausmaß – 200 km2 weit erstreckt sich die Ebene im nördlichen Burgenland. Zum Neusiedlersee hin fällt die Platte in steilen Terrasse ab. Der Boden der Parndorfer Platte ist durchlässig, hier ist es etwas kühler und windiger. Perfekt für St. Laurent, Pinot und Zweigelt. An die Parndorfer Platte schließen im Südwesten sandig-lehmige, schwere Böden an. Hier gefällt es besonders dem Blaufränkisch gut. Die ebenen Lagen im Seewinkel sind besonders gefällig für Weißweine und Zweigelt.

Unser Fazit

Was Andreas in seinem Weingut auf die Flasche zaubert, ist einfach nur spitze. So schmeckt man förmlich die Liebe für seine Reben, die Anstrengung und das ausgezeichnete Handwerk, was er an den Tag legt. Seine weißen Weine strotzen nur so vor Frische und Eleganz, die roten vor Tiefe und Frucht – ohne jemals langweilig zu sein. Um den Aufwand, aber auch den Ertrag der biodynamischen Kreislaufwirtschaft mal in voller Blüte zu sehen, können wir einen Besuch in Gols bei Andreas nur wärmstens empfehlen. Und natürlich seine Weine zu probieren!