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Klimawandel

Weinbau und der Klimawandel

Weinberge
Sprungbrett

Der Klimawandel ist besonders in der Landwirtschaft auf unangenehme Art und Weise spürbar – und auch nicht nur als kleines Problem abzutun. Steigende Temperaturen, stärkere Sonneneinstrahlung und extreme Wetterereignisse lassen Landwirt*innen jedes Jahr die Luft anhalten und um ihre Ernten bangen. Natürlich lassen Sie das Schicksal nicht einfach über sich ergehen und passen sich vielseitig, sei es durch Sortenwahl, Begrünungsarten oder Bodenbearbeitungsmaßnahmen und Bewässerungssysteme, an die Herausforderungen des sich stetig weiter erwärmenden Planeten an. 

Klimawandel in Deutschland

Klimawandel ist schon lange ein Thema der Politik und wird dort durch immer neue Ziele und Richtlinien versucht zu bekämpfen. In der UN-Agenda 2030 werden dazu viele Ziele der Nachhaltigkeit festgelegt, welche zum Beispiel auch die Verbesserung der Bodenqualität vorsehen. In den Klimazielen Deutschlands bis zum Jahre 2030 und 2040 werden konkrete Treibhausgasminderungen und ein Aufstocken regenerativer Energien festgelegt. Erreicht werden diese Ziele nach bisherigen Prognosen nicht. Einen Teil zur Minderung der Treibhausgasemission können in jedem Fall auch Landwirt*innen beitragen, indem sie ihre Böden nachhaltiger und regenerativer bewirtschaften und dadurch Treibhausgase im Boden speichern. 

Probleme im Weinbau durch den Klimawandel

Eine der verheerendsten Auswirkungen des Klimawandels im Weinbau war 2021 spürbar, als das Hochwasser an der Ahr zahlreiche Existenzen zerstörte. Viele der Weingüter dort verloren nicht nur den Jahrgang 2021, sondern auch alle anderen älteren Jahrgänge, welche noch in Fässern und Tanks reiften oder schon gefüllt und fertig für den Verkauf waren. Maschinen und Keller gingen kaputt. Für viele war dies vielleicht traurigerweise erst der Augenöffner, dass Deutschland nicht vor den kommenden klimatischen Katastrophen isoliert ist. Ein Problem im kleineren Maße war 2021 zum Beispiel die anhaltende Nässe, welche zu Fäulnis führte, dem sogenannten Falschen Mehltau (auch Peronospora genannt). Biowinzer*innen kamen nicht mehr hinterher mit dem Spritzen, da direkt der nächste Regen kam. Es kam zu Ertragsausfällen von 50% und mehr. Manche Winzer*innen hatten natürlich auch keine Probleme, da sie durch entsprechende Anpassungsstrategien der Weinberge besser mit der Nässe umgehen konnten. In anderen Jahren hingegen, wie 2019 und 2018, hatten Landwirt*innen in Deutschland mit extremer Trockenheit zu kämpfen. An den Reben äußert sich dies durch schrumpelige Beeren oder Trauben mit Sonnenbrand sowie Kümmerwuchs. Besonders Junganlagen, die noch nicht so tief wurzeln, müssen in dieser Zeit bewässert werden. Die Trockenheit kann zu Gärschwierigkeiten und Fehltönen im späteren Wein führen.

  • Klimawandel führt beim Weinbau zu Trockenstress und Wasserstress für die Rebe
  • Der Weinbau hat ein großes Potential mit seinen Böden Kohlenstoffdioxid zu speichern

Wunderbare Weine ohne Schwefel

 Fight against – Was kann man im Weinberg machen?

Um sich an den Klimawandel anzupassen gibt es im Weinbau verschiedene Strategien. Unsere Winzer*innen achten darauf nachhaltiger zu wirtschaften als es oftmals in der kommerziellen Weinwelt der Fall ist. Was auch in gewissen Maßen ein Teil der Naturweinphilosophie ist. Anbau, Produktion und Vertrieb können angepasst und so CO2 gespart und Müll reduziert werden. Weinflaschen können beispielsweise leichter produziert und Mehrwegflaschen eingeführt werden. 

Die Flaschen verursachen im Weinbau, bezogen auf ihren gesamten Lebenszyklus, die höchste CO2 – Emission. Außerdem müssen Verpackungen und Kartons nicht beschichtet sein und mit fünffach Klebeband verschlossen werden. Der Korken ist, ganz im Gegensatz zur allgemeinen Annahme, nachhaltiger als seine Alternativen, wie zum Beispiel Schraubverschlüsse. Der Erhalt der Korkeichenwälder ist sehr wichtig, da sie eine hohe Artenvielfalt haben und außerdem eine Menge CO2 speichern. Korken werden nur aus der Rinde der Korkeichen hergestellt. Der Baum bleibt danach bestehen. 

Außerdem können Weinberge mit E-Maschinen bewirtschaftet und es kann mehr von Hand gemacht werden. Allgemein können mehr erneuerbare Ressourcen eingesetzt werden. Abgesehen davon können andere, resilientere Rebsorten gezüchtet und Pilzwiderstandsfähige (PiWis) Reben angepflanzt werden, welche zum Beispiel zu feuchtem Klima trotzen können. 

Außerdem achten die Winzer*innen darauf, einen Boden mit erhöhter Wasserspeicherkapazität zu erschaffen, indem dieser tief und vielfältig durchwurzelt wird und großporig ist. Mittel zum Ziel ist hierbei die richtige Bodenbearbeitung und die entsprechende Begrünung. Diese sollte den Boden tief durchwurzeln und locker halten. Bei der Bodenbearbeitung sollten zu schwere Maschinen vermieden und der Boden nicht zu oft befahren werden. Die Vielfalt im Weinberg hilft die Arten zu erhalten. Die Begrünung hilft außerdem Erosion zu vermeiden oder zu mindern. Dadurch wird auch die essenzielle, fruchtbare Humusschicht an Ort und Stelle gehalten. 

 Pflanzenkohle – Besserer Boden in der Kreislaufwirtschaft

Pflanzenkohle ist unter hoher Hitze verkohlte Biomasse. Pflanzenkohle wird seit vielen Jahrhunderten zur Bodenverbesserung und zum Klimaschutz eingesetzt. Sie lockert und durchlüftet den Boden und fördert beim Einarbeiten zusammen mit Kompost den Aufbau von Mikroorganismen und die Humusbildung, sowie die Speicherung von Wasser und Nährstoffen in ihren Poren. Um Pflanzenkohle herzustellen wird beispielsweise altes Rebholz verkohlt, auch Pyrolyse genannt. Dies ist ein sehr nachhaltiger Prozess, bei dem keine Schadstoffe freigesetzt werden – Zusätzlich wird CO2 der Atmosphäre entzogen und als reiner Kohlenstoff gespeichert. Also auch wieder super fürs Klima! 

Eine Möglichkeit Pflanzenkohle herzustellen ist der Kon-Tiki. Quasi ein Miniatur-Pyrolyseofen, für die Kleingärtner*in konzipiert. 2014  wurde der Kon-Tiki von Paul Taylor und Hans-Peter Schmidt entwickelt und vom Ithaca Institute wurde die Bauanleitung als Open Source zur Verfügung gestellt. Die konische Form des Grills ermöglicht sehr hohe Temperaturen von bis zu 600°C und ein gleichmäßiges Abbrennen. Zusätzlich wird der Rauch durch den zylindrischen Außenring nach innen umgeleitet – ein nahezu rauchfreies Spektakel. Für ein Weingut mit mehr als einem Hektar ist die Produktion hiermit jedoch meist zu aufwendig. 

Brände in Weinregionen: Smokey Teint

In Australien, aber auch in Europa in Spanien oder Frankreich, litten die Winzer*innen in den letzten Jahren unter Bränden, die die Weinberge zerstörten. Weinreben können zwar durch ihre hohe Feuchtigkeit in den Trauben, Blättern und Stamm auch als Schutzwall gegen Feuer dienen, jedoch sind die Trauben nach einem Brand eigentlich ungenießbar. Durch das Feuer entsteht der sogenannte “smokey taint”. Dieser entsteht hauptsächlich aus dem Lignin im Holz, welches sich beim Verbrennen in das Aroma Guiaiacol umwandelt und dem Wein später ein starkes Räucheraroma mitgibt. Manchen mag es schmecken, gewollt ist es jedenfalls nicht und die Brände sind außerdem verheerend für die Bewohner*innen. 

Unser Fazit

Eines steht fest: Wir stecken mitten in der Klimakrise und müssen alles mögliche unternehmen, um sie aufzuhalten. Einen tollen Anteil haben die Winzer*innen, deren Wein Du hier bei Forever Thirsty kaufen kannst. Sie arbeiten alle im Weinberg und -keller so nachhaltig wie möglich, achten darauf, dass ihre Glasflaschen nicht zu schwer sind und welches Verpackungsmaterial sie verwenden. So ist Deine Entscheidung, Naturwein zu trinken, auch ein Statement für die Nachhaltigkeit. Cheers!