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Boden

Naturwein und der Boden: Was macht den Boden zum guten Boden?

Der Boden ist das Fundament aller Nahrung. Sowohl für die Tierwelt, als auch für die Menschheit. Ein gesunder Boden ist ein lebendiges, dynamisches Ökosystem welches uns wertvolle Vitamine und Nährstoffe liefert. Die Bodenqualität im Weinberg steht also im direkten Zusammenhang mit der Qualität und Quantität des Weins. Ein gesunder Boden ist durchwurzelt, voll von Pilzen, Bakterien und Würmern. Hier berichten wir, wie wichtig ein guter Boden für guten Naturwein ist.

Sprungbrett

Wie kann ich den Boden schützen?

Alles in der Natur dreht sich im Kreis. Die biodynamische Landwirtschaft folgt diesem natürlichen Kreislauf: Mensch – Tier – Pflanze – Boden. Ziel des biodynamischen Weinbaus ist es, die natürlichen Kreisläufe zwischen Pflanze und Bodenorganismen nicht zu stören und allenfalls zu stärken oder zu schützen. Unsere Winzer*innen setzen außerdem keine lebensfeindlichen chemischen Mittel ein und düngen nur mit natürlichen Stoffen. Sie wollen den Boden bestmöglich unterstützen.

Außerdem setzt sich die ökologische Landwirtschaft zum Ziel, den Boden möglichst wenig zu verdichten. Es sollen also am besten keine schweren Maschinen darüber fahren, wie etwa große Traktoren oder Vollernter. Die Lösung heißt jedoch harte körperliche Arbeit – aber wem tut das nicht gut? 

Verschiedene Bodenarten

Begrünung und Biodiversität und dann?

Bei der Begrünung gibt es eine große Auswahl von Saatmischungen, welche speziell auf die Bedürfnisse des Bodens abgestimmt werden. Die Begrünung lockert den Boden, spendet Nährstoffe und bildet beim Mulchen eine Humusschicht. Humus ist hier natürlich kein Kichererbsenbrei sondern ist die obere Schicht des Bodens, die aus zersetztem organischem Material besteht. Der Humus ist essentiell für die Versorgung der Pflanze und das Bodenleben. 

Begrünung schützt den Boden außerdem vor Erosion. Erosion stellt bei immer häufigeren Starkregen ein großes Problem dar, da durch sie die fruchtbare Humusschicht weggespült wird. Dabei wird unter anderem Stickstoff und Kohlenstoff weggeschwemmt. Stoffe, die eigentlich im Boden gespeichert werden sollten, um die Rebe im nächsten Jahr beim Austrieb zu unterstützen. 

Und nun nochmal kurz zum Humus!

Humus ist ein sehr wichtiger Bestandteil für die Fruchtbarkeit der Böden. Um Humus zu haben, brauchen wir aber auch einen Boden der begrünt, verwurzelt und mit Leben gefüllt ist. Humus besteht aus organischem Material – also Lebewesen, abgestorbene Organismen und organische Stoffwechselprodukte. Um Humus im Boden zu haben wird also eine vielfältige Begrünung des Weinberges benötigt. Wenn diese gemulcht wird, können die Nährstoffe der Pflanzen in den Boden aufgenommen werden und schlussendlich die Rebe ernähren.

Humus kann uns übrigens  auch bei einem ganz anderen Problem helfen: Er bindet extrem viel C02. Ein gesunder Boden wäre also eine große Hilfe dabei, den Klimawandel zu verlangsamen.

Weine, die auf exzellenten Böden wachsen

TERROIR ist eines der großen Worte in der Weinszene!

Das Terroir meint nicht nur den Boden sondern das Quartett von Mensch, Klima, Lage und Boden. Der Naturwein, könnte man sagen, gibt das Terroir und die Kulturlandschaft unverfälscht wieder. Das Terroir macht quasi den Wein.

Das Terroir beeinflusst den Wein maßgeblich. Karge Böden wie Granit, Schiefer oder Kalk bringen beispielsweise klare, strikte Weine hervor. Fette Böden hingegen, wie beispielsweise im Burgund, bringen vollere, dickere Weine mit weniger Säure hervor. Der Boden kann zum Beispiel auch Wärme speichern wie der Schiefer an der Mosel und diese dann an die Rebe abgeben. Je nachdem welchen Boden wir also haben, wie das Klima ist, die Tages- und Nachttemperatur, die Niederschlagsrate, welche Einflüsse der Mensch vornimmt, wie der Weinberg liegt, was er für eine Hangneigung er hat und welche Ausrichtung zur Sonne, so wird auch der Wein am Ende. Also immer anders.

Und welche Bodenarten gibt es?

Böden sind so zahlreich wie Sand am Meer. Die wichtigsten Arten sind Sand, Schluff und Ton – und der Lehm als Mischung aus allen drei. Die Bodenarten treten meist in Mischform auf und sind oft vermengt mit Gesteinen wie Schiefer oder Quarzit, Kalk, Basalt. Der Boden beeinflusst maßgeblich den Wein. Ein Boden der sauer ist, also einen niedrigen PH Wert hat (Kiesel, Quarz, Granit), ergibt Wein mit geringer Säure , Böden mit hohem pH-Wert, also basisch (Kreide, Kalk, Mergel) ergeben eher Weine mit Säure.

  • Sand

    Sandige Böden sind nie zu feucht und können sehr schlecht Wasser speichern.

  • Schiefer

    Zum Beispiel an der Mosel. Sein großes Plus ist, dass er hervorragend Wärme speichern kann – das ist besonders gut in kühleren Klimabereichen.

  • Ton

    Der Ton, zum Beispiel sehr verbreitet am rechten Ufer vom Bordeaux. Der Boden kann gut Wasser speichern, was ihm aber auch zum Verhängnis werden kann: Da das Wasser nicht gut abfließt saugen sich die Beeren voll und verlieren an präzisen, konzentrierten Aromen. Außerdem ist er oft kühl und säurehaltig.

  • Kies

    Ein weiterer Boden ist Kies. Kies lässt sehr gut Wasser durchlaufen und ist relativ unfruchtbar, speichert aber ausgezeichnet Wärme. Die Reben müssen also sehr tief wurzeln um an Wasser zu gelangen. Sehr verbreitet ist der Kies im Bordeaux.

  • Quarz

    Quarz ist sauer und hat einen niedrigen PH-Wert. Er kommt fast in jedem Boden vor. Ist sein Gehalt besonders hoch, verringert er die Säure der Weine.

  • Löss

    Löss besteht aus Quarz und Kalk. Das Gleichgewicht von sauer und basisch ergibt vollmundige, lagerfähige Weine. 

Kleines Pamphlet zum Abschluss

Der Weinbau ist eine Monokultur und daher leider nicht das Beste für die Böden. Im Moment sind viele, fast ein Viertel unserer Böden, durch den hohen Anteil konventioneller Landwirtschaft und aufgrund von Monokulturen in einem sehr schlechten Zustand. Durch den Raubbau, welcher nur auf den Ertrag achtet, degenerieren die Böden und verwüsten. Die Böden werden immer unfruchtbarer, was zu Ertragsmangel und damit zu Nahrungsmangel führt. Außerdem haben sie eine sehr schlechte CO2-Bilanz, was den Treibhauseffekt noch mehr anheizt. Böden geraten immer mehr in den Fokus der Aufmerksamkeit – unter anderem auch was Klimaschutz angeht. Und auch im Weinbau gibt es viele Böden, die konventionell und nicht nachhaltig bewirtschaftet werden.

Unsere Winzer*innen hingegen achten sehr genau darauf, wie es ihren Böden geht. Und bewirtschaften diese so nachhaltig, wie es ihnen nur möglich ist. Daher stellen sie einen kleinen, aber sehr wichtigen Teil, aller Winzer*innen weltweit dar, die hoffentlich in der Zukunft ein Vorbild für alle werden. Sodass wir auch in der Zukunft nicht nur guten Wein genießen dürfen, sondern auch unserem Planeten etwas gutes tun.