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Korken

Korken sind nachhaltig!

Es ist wohl das schönste Ploppen zum Feierabend: das Geräusch beim Herausziehen des Korkens aus der Weinflasche. Wir verbinden einen schönen Korken mit hoher Qualität und nehmen dafür gern eine kurze Kellnermesser-Operation in Kauf. Ein Muss für jede Weinkenner*in und ein kleines Spektakel beim Öffnen. Im Folgenden wollen wir Euch in die Welt der Korken mitnehmen. Denn hinter dem kleinem Weinverschluss steckt viel mehr als man auf den ersten Blick erahnt.

Irgendwie muss am Ende ein Wein sicher aus dem Fass in euer Gläschen wandern. Damit dieser teilweise sehr lange Zeitraum und weite Weg optimal gelingt, benötigt man einen ordentlichen Verschluss. Mittlerweile gibt es eine große Vielfalt an Verpackungen und Verschlüssen für Wein. Am Ende unseres Artikels zeigen wir euch verschiedene Lösungen:  Erklären euch woran ihr einen guten Korken erkennt und warum Naturkorken so nachhaltig sind.

Sprungbrett

Ein kurzer Einblick in die Geschichte der Korken

Die ersten Korken in der Geschichte der Menschheit wurden im antiken Griechenland und Ägypten verwendet. Vor Allem Tongefäße zum Transport von Ölen, Wein und anderen flüssigen Lebensmitteln wurden damit verschlossen. Diese Idee entwickelte sich über viele Jahrhunderte kaum. Erst später im 17. Jahrhundert wurden die Korken durch Holzstopfen oder Tonverschlüsse ergänzt.

Im Jahre 1680 entwickelte sich durch den benediktinischen Mönch Pierre Pérignon der Champagner. Er stellte fest, dass die Holz- und Tonstopfen kaum dem Druck der Schaumweinflaschen standhielten. So kam es zur Renaissance der Korken, die bis heute anhält. Mittlerweile werden Korken wieder auf Weinflaschen verwendet und es findet sich im mediterranen-europäischen Raum eine große Korkproduktion. Davon produziert Portugal mit einem Marktanteil von über 50% die größte Menge an Kork. Dicht gefolgt von Spanien.

Korken sind Teil der Weinkultur

Wie wird ein Korken hergestellt?

Die Korken für unsere Weinflaschen werden von der so genannten Korkeiche gewonnen. Genauer aus deren dicken Rinde. Diese massive Rinde hat die Korkeiche als Schutz gegen starke Hitze, wie zum Beispiel Waldbrände, entwickelt. Es bedarf eines sehr langen Zeitraumes von 40 Jahren, bis eine Korkeiche zum ersten Mal abgeschält werden kann. Dies geschieht meist im Sommer zwischen Mai und August. Die Ernte kann nur per Hand durchgeführt werden und nur mit langer Erfahrung. Ein arbeitsintensiver und langwieriger Prozess. Auch das Warten bis zur nächsten Ernte zieht sich, denn es vergehen etwa 9 bis 10 Jahre.  

Nach dem Schälen der Korkrinde werden die großen Rinden in die Korkfabriken zur Weiterverarbeitung gefahren. Dort wird die Rinde zunächst über 9 Monate getrocknet. Anschließend werden die Rinden bei 100 Grad Celsius etwa eine Stunde lang gekocht. Dadurch werden unerwünschte Pilze sowie Bakterien abgetötet und die Rinde wird für die weitere Verarbeitung elastisch. Der Korken entsteht dann auf zwei verschiedene Arten:

  • Naturkork wird direkt aus der Rinde gestanzt
  • Presskork besteht aus den geschredderten Resten

Die Korkeiche – Quelle unserer Korken

Naturkork

Der Naturkork stellt die höchste Qualität der Korken dar und ist entsprechend das teuerste Produkt der Fabrik. Scharfe Messer stanzen dazu aus der elastischen Korkrinde die Korken heraus. Anschließend werden die Korken per Hand und Auge nach verschiedenen Qualitäten sortiert. Die besten Korken sind sehr glatt, hart und lang. Außerdem haben die besten Korken so wenig Poren wie möglich. Ein aufwendiger Prozess, der sich am Ende deutlich im Preis zeigt.

Presskork

Nachdem die Naturkorken herausgestanzt wurden, bleiben große durchlöcherte Stücke der Korkmatten zurück. Diese werden nicht entsorgt, sondern ebenso verarbeitet. Nachdem die Reste zu kleinen Stückchen geschreddert wurden, können sie mit Harzen oder Leim unter hohen Druck zu Presskorken geformt werden. Dadurch werden die Reste der Korkrinden recycelt und man erhält ein deutlich günstigeres Produkt. Allerdings läuft man Gefahr, dass die Korken eher brechen. Deshalb eignen sie sich kaum für eine lange Flaschenlagerung.

Die Rinde der Korkeiche
Die Rinde der Korkeiche

Sind Korken nachhaltig?

Ja, die Produktion von Korken ist unglaublich nachhaltig und Ihr fördert den Arten- und Klimaschutz, wenn Ihr Flaschen mit Naturkork kauft. Denn Kork ist absolut ein nachhaltiger Ausgangsstoff und vollständig recycelbar. Bis zu 3.000 Korken können aus der Rinde einer einzigen Korkeiche gewonnen werden. Nach ihrer Verwendung als Weinkorken können diese recycelt werden und zum Beispiel als Dämmmaterial wiederverwendet werden.

Außerdem werden bei der Ernte der Korkeichen keine Bäume gefällt. Da der Bauer von den Bäumen abhängig ist, werden diese bei der Ernte kaum beschädigt und über viele Jahre hinweg gepflegt. Es dauert bis zu 40 Jahre, bis die Rinde zum ersten Mal abgeschält werden kann und weitere 9 bis 10 Jahre zwischen jeder Ernte. Mehr Nachhaltigkeit geht kaum.

Korkeichenwälder bieten einen unglaublich wichtigen Lebensraum für diverse bedrohte Tier- sowie Pflanzenarten. So finden vom Aussterben bedrohte Tierarten wie der Kaiseradler oder der iberische Luchs wichtige Ruheorte in den Korkeichenwäldern. Etwa 10.000 verschiedene Pflanzenarten finden sich in den Korkeichenwäldern.

Richtig gute Weine (mit Korken)

Für den Klimaschutz sind die Korkeichenwälder ebenso von Bedeutung. Da diese Wälder eine Fläche von über 2,3 Mio. Hektar ausmachen, binden sie jährlich über 14 Millionen Tonnen Kohlenstoffdioxid. Eine Korkeiche, die im regelmäßigen Rhythmus geerntet wird, speichert deutlich mehr CO2 als nicht bewirtschaftete Korkeichen. Hauptursache dafür, sind vor allem die in der Korkrinde gebundene Menge an Kohlenstoffdioxid. Übrigens findet ihr in einem einzigen Weinkorken bis zu 8 Gramm gebundenes CO2. Bei der Herstellung von Korken wird außerdem deutlich weniger CO2 ausgestoßen als bei der Herstellung von Schraubverschlüssen. Bis zu 75% weniger Kohlenstoffdioxid wird dabei freigesetzt. 

Über 100.000 Menschen arbeiten direkt in der Korkindustrie und ernähren damit ihre Familien. Hinzu kommen viele Menschen, die indirekt durch die Korkindustrie ihren Lebensunterhalt verdienen. So gibt es viele Förster, die über Korkeichenwälder ein Auge werfen. Schlussendlich verdienen auch Restaurants und Hotels am Tourismus der Wälder.

Wie entsteht der Korkton?

Der Korkton ist wohl das größte Problem der Korkindustrie und der wohl bekannteste Weinfehler. Leider tritt der Fehlton dank des Klimawandels immer häufiger auf. Grund dafür ist die auslösende chemische Verbindung 2,4,6-Trichloranisol, kurz TCA. Korkeichen produzieren diesen Stoff bei hohen Temperaturen oder Waldbränden. Durch den Klimawandel kommen diese Wetterextreme immer häufiger in den Korkeichenwälder vor. Entsprechend steigt auch die Häufigkeit von Korken mit TCA. Der Stoff verbreitet sich in der Weinflasche und macht den Wein schon bei geringen Mengen ungenießbar. Die Folge: Korkton und eine unglückliche Weintrinker*in.

Übrigens: auch eine Flasche ohne Korkverschluss kann einen Korkton entwickeln. Denn TCA kann sich auch in anderen Medien bilden. Verbreitet sich TCA beispielsweise in Filtrationsmitteln oder auf im Keller der Winzer*in herumliegenden Holzpaletten, kann sich ein Korkton sogar in einem gesamten Weintank entwickeln.

Wie erkennt Ihr einen Korkton?

Einen fehlerhaften Korken erkennt Ihr mit etwas Übung bereits schon beim Öffnen der Flasche. Nämlich am Korken selbst: riecht dieser etwas muffig oder faulig, dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass die Flasche einen Korkton hat. Seid ihr Euch dennoch unsicher, dann könnt ihr den Wein einschenken und erst einmal riechen. Erscheint Euch der Wein muffig, faulig – ähnlich einer nassen Zeitung oder nasser Pappe, dann handelt es sich relativ sicher um einen Korkton. Auch schon geringste Mengen TCA stellen den Wein komplett anders dar und Ihr könnt den Wein nicht wie gewohnt genießen.

Welche Alternativen gibt es für Korken?

Um den Korkton – und damit einhergehende wirtschaftliche Konsequenzen – möglichst einzugrenzen, wurden in der Vergangenheit viele Alternativen zum Korken entwickelt und heiß diskutiert. Wir zeigen Euch die beliebtesten Varianten.

Glaskorken

Wohl die eleganteste Lösung, der Glaskorken. Glas besteht an sich aus einem gut recycelbaren Material. Der Glaskorken wird allerdings durch einen weniger nachhaltigen Plastik-Dichtungsring ergänzt. Das Aufbringen der Glaskorken bedarf genauste Präzision der Abfüllanlage und spezielle Maschinen. Die Gefahr von Glassplittern besteht und das Material ist aufgrund des Dichtungsringes nicht zu 100% umweltfreundlich.

Kunststoffkork

Korken aus Kunststoff sind voller Gleit- und Bindemitteln sowie Weichmachern. Das möchte wohl keine Weinliebhaber*in aus ihrer Flasche ziehen. Umwelt und die Qualität des Weines leiden darunter. Probleme mit einem Korkton bekommt man dafür nicht und die Lebenszeit ist deutlich länger. Wahrscheinlich die Hauptgründe, weshalb auch namhafte Naturwein-Winzer*innen auf Kunststoffkorken zurückgreifen.

Schrauber

Der Schraubverschluss ist wohl der einzige wirklich interessante Konkurrent zum Naturkorken. Die Gefahr vom Korkton besteht nicht und die Flasche kann sehr einfach geöffnet und wieder verschlossen werden. Außerdem sind die Herstellungskosten sehr gering. Allerdings kann es auch hier zu Undichtigkeit und Ausläufern kommen. Die Eleganz leidet und das Material ist nicht wirklich umweltfreundlich.

Kronenkorken

Den Kronenkorken kennt man zwar üblicherweise von Bierflaschen, findet aber zunehmend auch bei PetNats oder stillen Weinflaschen Verwendung. Bestehend aus Blech und einem Dichtungsring sind die Kronenkorken recyclingfähig. 

Fazit

Am Ende hat jede Entwicklung Vorteile, aber auch einige Nachteile. Letztendlich ist das Argument von mehr Sauerstoffaustausch bei Naturkork ein Märchen. Weine mit Schraubverschluss oder Glaskorken erhalten bei der Abfüllung genügend Sauerstoff und können ebenso gut Reifen wie Weine mit Kork. Am Ende kann die Diskussion also nur noch über die Ästhetik und dem Umweltschutz geführt werden. Wir sind der Meinung, dass der Naturkork hier klar im Vorteil liegt. Somit greifen wir zum Kellnermesser und lassen die Flaschen ploppen.

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