Nestarec

Milan Nestarec will nicht ohne Filtration, ohne Zusätze, ohne Schwefel sein. Er will nicht authentisch, natürlich, low-intervention sein – er bevorzugt den Begriff normal. Denn nicht Pestizide und Fungizide sollten normal sein oder Kupferzitrat und Silberchlorid. Sondern das natürliche, normalerweise von der Natur gegebene sollte normal sein.

Sprungbrett

The man himself: Milan Nestarec

Milan Nestarec, ein junger Winzer aus Tschechien, arbeitet biodynamisch, hält aber nicht viel von Labels und dem Kommerz drum herum, weshalb er sich nicht zertifizieren lässt. Normal, also allgemein üblich und gewöhnlich, der Norm entsprechend ist dennoch nicht die erste Beschreibung, die einem einfällt, wenn man die Weine von Nestarec probiert. Eher fulminant, expressiv und pointiert. Less orange, more wine. Nestarec spezialisiert sich immer mehr auf finessenreichen Wein, mit vielen feinen Nuancen und etwas weniger Schalenkontakt.

Milan in seinem Weinkeller

Nestarec: Biodyn ohne Siegel

Milan Nestarec lebt in Tschechien in der Region Moravia, welche zum Weinbaugebiet Mähren gehört. Dort hat er das Weingut von seinem Vater übernommen. Die ersten Reben wurden 2001 gepflanzt, die Weinberge wurden damals jedoch noch konventionell bewirtschaftet. Bis 2009 schaffte Milan Nestarec die Umstellung auf biologische Bewirtschaftung, in die er gerne ein paar biodynamische Elemente einfließen lässt. Seine 17 Hektar bewirtschaftet er heute mit Hilfe seiner kleinen Schwester und seinem Vater. Anfangs kämpfte Milan Nestarec noch gegen die eher konventionellen Vorstellungen der Weinwelt seines Landes, heute ist er dort ein angesehener Winzer. Milan Nestarec ließ seinen Betrieb nie als biologisch zertifizieren – denn von Zertifikaten hält er nicht viel. Er glaubt an das Vertrauen in einen Namen auf der Flasche und das Vertrauen darin, dass dieser Winzer ehrlich und gut arbeitet.

Nestarec pur:

FORK & KNIVE

Das Sortiment von Nestarec weist eine Vielfalt an Weinen vor, bunt, wild, rot und dann wieder weiß. Funky und gediegen. Eine seiner Linien ist die F&K Linie. Forks and Knives. Damit will Nestarec den Wein zurück auf den Tisch bringen. Als etwas Normales, essbar mit Gabel und Messer, etwas Rustikales. Wein ist für ihn Alltag, denn der Genuss brauch keinen besonderen Anlass. Wein bedeutet auch nicht stundenlang darüber zu reden. Sondern ihn einfach zu genießen.

Besonders die Weinkultur in seinem Land stört ihn dabei. Wein bedeutet dort oft eher Binge-Drinking oder ist ein Getränk für besondere Anlässe. Den Wein alltäglich zu machen suggeriert auch der Kronkorken dieser Linie. So lässig zu öffnen wie ein Feierabendbier und auch nicht viel Alkohol darin. Enjoy !

„It’s not about a varietal, or a famous village in a famous region – because even those wines can get the bad karma of being massacred in the cellar. It’s all about the name on the bottle. A name you can trust, because you know how the person works and that it’s a style you enjoy. Where they come from and how they treat their vineyards.“

Milan Nestarec

Perfektion der Weine durch Symbiose

Nestarec hält nichts von Schönung oder Filtration – oder Schwefel sowie anderen wilden Zutaten. Milan glaubt an die natürliche Magie der Region, die Magie der Sonne, des Windes und des Bodens, welche in ihrer Symbiose ein perfektes Produkt erschaffen. Jedem Produkt gibt Milan Nestarec seine eigene Geschichte, visualisiert sie in einem Etikett. Bei seiner Vielfalt an Weinen kann man da schon leicht mal den Überblick verlieren, dazu muss man jedoch einfach nur seine tolle Website betrachten. Jede seiner 9 Linien wird dort erklärt, jeder Wein nochmals einzeln betrachtet und sogar kleine Videos schmücken das Ganze aus. Auch über seine derzeit dreizehn verschiedenen Weinberge kann man hier viel erfahren – viele von ihnen wurden in Ehrung der Arbeit des Vorbesitzers nach deren Namen benannt.

Weinbau im Südosten Tschechiens

Die bedeutsamsten Weinbauregionen Tschechiens sind Mähren und Böhmen. Mähren liegt im Südosten Tschechiens und ist in vier Untergebiete unterteilt: Znojmo, Mikulov, Velké Pavlovice und die mährische Slovakei. Die andere Weinbauregion Böhmen hat ebenfalls zwei Subregionen. Hier sind jedoch nur 5 % der Rebflächen Tschechiens verzeichnet. Dies liegt unter anderem an den Folgen des dreißigjährigen Kriegs und der Reblaus, einer allseits gefürchteten Pilzkrankheit unter Winzern, welche in der Vergangenhei viele der Rebflächen zerstörte. Mähren mit seinem subkontinentalen Klima hat heiße Sommer und relativ kalte Winter. Dies bringt Weine mit pointierter Reife hervor, die zudem eine tolle Säurestruktur besitzen. Zusätzlich gibt der mineralreiche Boden den typischen Geschmack der Region in den Wein.

Die wunderschönen Weingärten von Milan

Tschechien: Wein & Bier & Wein

Wenn wir Tschechien hören ist definitiv eher Bier das Erste was uns einfällt und nicht unbedingt Weinbau. Dieser hat jedoch auch hier eine Tradition von über 1000 Jahren und tschechische Weine gehören heute zu den Spitzenweinen auf dem Weltmarkt. Vor allem im Südosten Tschechiens sind die meisten Weinberge verzeichnet. Auf circa 19 000 Hektar bauen in Tschechien um die 8500 Winzer und Winzerinnen Wein an. Naturwein zählt auch hier zur Seltenheit, bekommt jedoch immer mehr Ansehen. Die tschechischen Rebsorten sind für uns keine Unbekannten. Svatovavřinecké , Frankovka und Veltlínské zelené sind nur die Tschechischen Namen für St. Laurent, Blaufränkisch und Grüner Veltliner. Müller-Thurgau, Welschriesling, Riesling und Zweigelt sind andere häufige Rebsorten dort. Immer häufiger tritt auch der Chardonnay auf. Also ein ähnliches Spektrum, wie man es in Österreich findet. Tschechien wird jedoch eher von weißen Rebsorten dominiert.

Unser Fazit

Unkonventionell, eigensinnig, zielstrebig. So würden wir Milan und seine Weine beschreiben. Eine so ganz andere Stilistik, wie man sie sonst vielleicht aus Osteuropa kennt. Milan’s Weine muss man einfach probieren, um zu verstehen, wie viel Energie und Arbeit der junge Winzer es schafft hier auf die Flasche zu bringen. Ein absolutes Muss!